Willi-Bredel-Gesellschaft
Geschichtswerkstatt e.V.

Rundbrief 2002

Inhalt

Editorial
Ein Symbol des Fortschritts weicht dem Fortschritt
Ältestes Haus Fuhlsbüttels für Büros geopfert
Neues Leben im historischen Gebäude
Bredel-Jahr 2001
Willi Bredel: Präsident der Akademie der Künste 1962–1964
Vier Beiträge über Willi Bredel, Maj Bredel und ihr Umfeld
Erinnerung an Willi Bredel
Abschied von der Roten Maj
Willi Bredel und das tragische Schicksal seines Freundes Heinrich Meyer
Zur Pflege des Erbes von Willi Bredel in der DDR
Bei anderen gelesen
Ein Brief von Theo Massuger
Breng de Groeten over aan SC Sperber van Cor de Bruin
Cor de Bruin spielte im 2. Weltkrieg beim S.C. Sperber
Fuhlsbüttler Appell
Rückkehr in eine Zwangsarbeiterbaracke
Ein Norweger in Fuhlsbüttel
Kirche – Christen – Juden
Mahnmal in St. Lukas
Ehrung von Ehrenamtlichen
Gundel und die 7 Zwerge

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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

in diesen Zeiten des Krieges, der unter der Tarnbezeichnung "Kampf gegen den internationalen Terrorismus" um Macht und Einßuss in einer rohstoffreichen Weltregion geführt wird, müssen wir als Geschichtswerkstatt wieder einmal darauf hinweisen, dass Krieg kein Mittel der Politik sein darf. Das wenigstens sollte eine der Erkenntnisse aus der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts sein.

Gefahren der Barbarei bleiben also unser Thema, denn die Welt hat sich nach dem brutalen Terroranschlag von CIA-Ziehkind Osama bin Laden und seiner klerikal-reaktionären Al-Quaida-Kämpfer auf die USA am 11.9.2001 nur insoweit geändert, als die Auseinandersetzung schärfer geworden ist. Das alte Denken hat wieder gesiegt.

Zuzulassen, dass Gedenkstätten der deutschen Barbarei im 20. Jahrhundert der Nachwelt als Mahnung erhalten bleiben, liegt dem neuen Hamburger Senat nicht besonders am Herzen: Als eine der ersten Amtshandlungen sollte der von der Hamburger Bürgerschaft schon 1993 einstimmig gefasste Entschluss rückgängig gemacht werden, die JVA Vierlande, die sich auf dem Gelände des ehemaligen KZ Neuengamme befindet, abzureißen. Erst massive Proteste der Opferverbände und internationale Empörung haben jetzt endlich dafür gesorgt, dass dieser Ort des Leids von Hunderttausenden Opfern des Nazi-Terrors zu einem Ausstellungs-, Begegnungs- und Studienzentrum ohne Gefängnisbetrieb ausgebaut werden kann.

Viel Engagement und Arbeit haben wir investiert, um eine neue Gedenkstätte ins Leben zu rufen: Die ehemaligen Zwangsarbeiterbaracken nahe des Flughafens. Hier haben wir Verhandlungen mit der Kulturbehörde mit dem Ziel aufgenommen, die Trägerschaft für das geplante Dokumentationszentrum "Zwangsarbeit in Hamburg" an diesem Standort an die KZ-Gedenkstätte Neuengamme zu übertragen.

Auch an anderer Stelle im Stadtteil wurde daran gearbeitet, allen Opfern des Faschismus ein würdiges Gedenken zu geben: Die Kirchengemeinde St. Lukas weihte dieses Jahr ihr "Mahnmal für die zivilen Opfer der NS-Zeit" in der Seitenkapelle des Kirchengebäudes ein. Die Ausarbeitung und künstlerische Gestaltung wurden zusammen mit dem Gymnasium Alstertal durchgeführt. Inhaltlich haben wir die forschenden Schüler und Gemeindemitglieder durch das Zugänglich machen unseres Archivs unterstützt.

Im letzten Jahr feierten wir den 100. Geburtstag von Willi Bredel mit einer Bredel- Woche im Mai und zeigten im November im Rahmen der 9. Fuhlsbüttler Filmtage Verfilmungen von Bredelwerken. Als Nachlese beschäftigen wir uns kritisch mit einer der Pressestimmen zu seinem Geburtstag und drucken unter anderem die "Erinnerung an Willi Bredel" von Bredel-Biograf Prof. Rolf Richter ab. Außerdem haben wir es tatsächlich geschafft das Ziel von 100 Mitgliedern zu Bredels 100. Geburtstag zu erreichen. Dar über haben wir uns besonders gefreut.

Lokalpolitisch haben wir letztes Jahr versucht das älteste Haus Fuhlsbüttels vor dem Abriss zu bewahren, was uns leider nicht gelungen ist. Wenigstens haben wir den alten Sturzbalken mit dem Marienmonogramm vor dem Bauschutt gerettet. Dieses wertvolle Stück harrt nun der Restaurierung und Ausstellung an einem angemessenen Ort in unserem Stadtteil.

Immer weniger wird auf die historische Bedeutung von alten Gebäuden Rücksicht genommen, immer mehr gesichtslose Neubauten ersetzen architektonisch Interessantes und machen so das Gesamtbild unseres Stadtteils immer austauschbarer. Ein besonders drastisches Beispiel ist der Abriss des alten Flughafengebäudes. Statt Gewachsenes zu integrieren wird nur noch abgerissen und vergessen. In diesem Heft setzen wir uns mit diesem Trend auseinander und haben auch einen Stadtteilrundgang dazu in Vorbereitung.

Eine wichtige Veränderung hat es in unserem Verein gegeben: Der langjährige Vorsitzende Hans Kai Möller schied aus gesundheitlichen Gründen aus dem Vorstand aus. Mit Kai tritt ein wichtiger Motor der Willi-Bredel-Gesellschaft ins zweite Glied zurück. Wir danken ihm für seine bisher geleistete Arbeit und haben mit Freude zur Kenntnis genommen, dass er auch weiterhin als Repräsentant unserer Gesellschaft zur Verfügung stehen wird. Auf der letzten Jahresmitgliederversammlung haben wir ihn daher zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Die neuen Vorsitzenden sind Hans Matthaei und Holger Tilicki.

Der erfolgreiche Verlauf der Woche des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, die wir zusammen mit der Bezirksversammlung Hamburg-Nord, den Gedenkstätten unseres Bezirks, den Bücherhallen und Schulen, sowie der Kirchengemeinde St. Lukas Ende Januar 2002 mit organisierten, bestärkt uns in unserer Arbeit.

Holger Tilicki, März 2002

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Ein Symbol des Fortschritts weicht dem Fortschritt

Das alte Verwaltungsgebäude des Hamburger Flughafens ist abgerissen. Verwaltungsgebäude, so nannte man es in den zwanziger Jahren als es erbaut wurde und der Begriff Terminal noch nicht erfunden war. Flugbahnhof wird es in der Zeitschrift "Das Bild" aus dem Jahr 1930 genannt. Es stand dem Fortschritt im Wege und war doch selbst ein Denkmal des Fortschritts. Es wurde den Anforderungen eines modernen Großflughafens nicht mehr gerecht. Das ist zweifellos richtig. Richtig ist aber auch, dass damit der Hamburger Flughafen sein Gesicht verloren hat und auch nie wieder eines bekommen wird. Flughäfen haben heute kein Gesicht mehr. Sie sind viel zu groß, als dass aus der Perspektive des Menschen noch eine Struktur zu erkennen wäre. Ihre Einzelteile bestehen aus international austauschbaren Versatzstücken im Schatten von Parkhäusern und Highways. Wenn ein Bild des neuen Hamburger Terminals zu sehen ist, zeigt es meist eine Innenansicht mit den markanten Stahlstützen. Für Werner Hauschild, Vorsitzender der Geschäftsführung des Flughafens, wird er "nach Fertigstellung einer der angenehmsten, effizientesten und architektonisch interessantesten in Europa sein, so wie 1929 das ehemalige Hauptgebäude des Hamburger Flughafens, das für viele europäische Flughäfen zum Vorbild wurde."

Als 1925 mit der Planung des Verwaltungsgebäudes begonnen wurde, war der Flughafen in einem desolaten Zustand. 1921 und 1928 wurde der Flughafen zeitweise nicht mehr angeflogen. Flugzeuge blieben immer wieder auf den morastigen Wiesen stecken. Erst als Bremen, die große Konkurrentin Hamburgs, mit erheblichen Mitteln begann ihren Flughafen auszubauen und der Flugverkehr immer mehr zunahm, reagierte Hamburg.

Man hatte 1925 keine präzisen Vorstellungen davon, was ein modernes Flughafengebäude leisten musste. Die Bezeichnung Verwaltungsgebäude, der zu Beginn der Planung geprägt wurde, zeugt davon. Man wusste noch nicht einmal welche Flugtechnik (Wasserflugzeug, Landflugzeug oder gar Zeppelin) sich durchsetzen würde. Der Flughafenbetrieb mit Gepäck- Fracht- und Passagierabfertigung, Probeläufen, Reparaturen etc. spielte sich in Hangars ab. Darunter die ehemaligen Fabrikationshallen der Karl Caspers Hanseatische Flugzeugwerke. Dort war es laut, schmutzig, chaotisch und gefährlich. Das zu ändern und die Vision eines zukünftigen Flughafenbetriebs zu entwickeln war eine Herausforderung.

Der Bau des Flughafens und des Verwaltungsgebäudes war zunächst Aufgabe der Abteilung Ingenieurwesen der Baudeputation. Fritz Schuhmacher, Leiter der Hochbauabteilung, setzte 1926 einen Wettbewerb für den Neubau des Verwaltungsgebäudes durch. Er bekam damit Einfluss auf die städtebauliche Einbindung und die Gestaltung der Baumaßnahme. Ein Einfluss, der sich schon wiederholt positiv für Hamburg ausgewirkt hatte (Kanalisierung der Alster, Stadtpark).

Vorgegeben wurde eine für Hamburg typische Backsteinfassade. Variable Innenwände sollten eine flexible Nutzung auch für zukünftige Anforderungen gewährleisten. Die Dächer sollten begehbar und als Aussichtsplattformen nutzbar sein. Nicht zuletzt wurde eine strikte Trennung des nicht reisenden Publikums von den Passagieren und gesonderte Wege für Gepäck, Post und Fracht gefordert.

Den Wettbewerb gewannen die Hamburger Architekten Friedrich Dyrssen und Peter Averhoff. Die Systematisierung der unterschiedlichen Funktionen, die durch den Wettbewerb vorgegeben war, wurde von Dyrssen&Averhoff richtungsweisend umgesetzt. Die unterschiedliche Nutzung wurde dabei auf vier Ebenen verteilt und durch ein System von Treppen, Rampen und Verkehrswegen erschlossen:

Mit dem Verwaltungsgebäude ist nicht nur ein Stück anspruchsvolle Architektur verschwunden, sondern auch ein Denkmal für eine richtungsweisende, Typ bildende Flugverkehrsarchitektur.

Und was bekommen wir statt dessen? Ein "unterirdisches" Einkaufszentrum.

Michael Schöpzinsky

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Ältestes Haus Fuhlsbüttels für Büros geopfert

Im letzten Rundbrief forderten wir in dem Artikel "Ältestes Haus Fuhlsbüttels vom Abriss bedroht!" den Erhalt des historischen Fachwerkhauses Alsterkrugchaussee 459. Diesen Artikel stellten wir der Lokalpresse zum Vorabdruck zur Verfügung. Die Resonanz war erfreulich: Einige Blätter druckten den Artikel ab bzw. verfassten eigene Artikel, die sich kritisch mit dem drohenden Abriss auseinander setzen. Weniger erfreulich, besser gesagt skandalös dagegen das Verhalten der Parteien der Bezirksversammlung Nord, des Ortsausschusses Langenhorn-Fuhlsbüttel und einiger Fuhlsbütteler Vereine, die wir zu einem runden Tisch zu diesem Thema eingeladen hatten: Keiner kam, die meisten hatten es noch nicht einmal nötig abzusagen. Möglicher Grund für dieses Verhalten: Bereits 1998 hatte die Bauprüfabteilung eine Abbruchgenehmigung erteilt, die ohne Nachfragen und Proteste sowohl von der Bezirksversammlung als auch vom Kerngebietsausschuss zur Kenntnis genommen, sprich abgesegnet, worden war.

Es gab jedoch eine positive Ausnahme: Die Regenbogen-Abgeordnete Karin Gritzuhn aus Fuhlsbüttel stellte am 6.4. 2001 in der Bezirksversammlung Nord eine kleine Anfrage an den Bezirksamtsleiter Frommann. Dieser benötigte zur Beantwortung der Anfrage fast drei Monate und antwortete mit einem Neunzeiler, deren erste vier inhaltsschwangere Zeilen wir unseren Lesern nicht vorenthalten möchten:

Bezirksamt Hamburg-Nord 27.06.2001

ANTWORT

auf die

Kleine Anfrage Nr. 8/01

Fragestellerin: Karin Gritzuhn (Regenbogen)

Betr.: Ältestes Haus in Fuhlsbüttel (Alsterkrugchaussee 459) vom Abriss bedroht

Die Kleine Anfrage beantworte ich wie folgt:

Dem Bezirksamt ist an der Alsterkrugchaussee 459 kein 1767 errichtetes Haus bekannt. Das Gebäude auf dem Grundstück Alsterkrugchaussee 459 wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Auskunft des Denkmalschutzamtes errichtet. Es stellt nach dortiger Auffassung weder ein Kultur- noch ein Baudenkmal dar, weil es im Laufe der Jahrzehnte verändert worden ist.

So viel Unglaubliches und Falsches in nur vier Zeilen unterzubringen, erfordert schon ein großes Talent. Das Denkmalschutzamt und das Bezirksamt wären gut beraten, sich aus den öffentlich zugänglichen Quellen kundig zu machen bzw. sich aus der einschlägigen Fachliteratur zu informieren. Aber vielleicht wollte man das ja auch gar nicht, um nicht die Pläne der Herren Investoren zu stören, die nun auf dem historischen Boden ein Business-Center errichten wollen.

Nun zu der historischen Wahrheit: Fuhlsbüttel gehörte bis 1830 zur Landherrenschaft Hamm und Horn. Im Jahre 1831 kam das Dorf dann im Zuge der Neugliederung der Hamburgischen Landgebiete zur Landherrenschaft der Geestlande, wo es bis zu deren Auflösung 1913 verblieb. Die Archivbestände befinden sich im Staatsarchiv und wurden u.a. von dem Historiker Armin Clasen für sein bereits 1963 veröffentlichtes Buch "Fuhlsbüttel und Ohlsdorf" ausgewertet. Clasen hat dort die Besitzerreihe des Brinksitzes Alsterberg dargestellt1 und schreibt über das älteste Haus Fuhlsbüttels:

"Hans Daniel Behn baute 1767 ein prächtiges Haus und ahnte sicher nicht, dass dieser erste Fuhlsbütteler Krug alle Bauernhöfe überdauern sollte. Das Haus ist noch heute erhalten, der Hausbalken zeugt von der Wohlhabenheit Behns. Das Gebäude, heute als Alsterkrugchaussee 459 am Schnitt der Chaussee mit der Straßenbahn zum Flughafen gelegen, beherbergt Werke der pharmazeutischen und feinmechanischen Industrie und ist so feinsinnig umgebaut worden, dass es die Würde bäuerlicher Baukunst mit den Erfordernissen modernen Fabrikbaues auf das Schönste vereint."2

Dieses Zitat spricht für sich und somit gegen das Denkmal"schutz"amt. Wie das Denkmalschutzamt zu der Behauptung kommt, dass das Haus zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet worden sei, bleibt wahrscheinlich sein Geheimnis. An und in dem Haus hat es über die Jahrzehnte durch die verschiedenen Nutzer zahlreiche Umbaumaßnahmen gegeben. Gerade diese Umbauten spiegelten anschaulich wichtige Abschnitte der Entwicklung Fuhlsbüttels vom Bauerndorf zu einem vom Flughafen dominierten Stadtteil Hamburgs wider.

Leider fanden wir auch bei der Vorsitzenden der Bezirksversammlung Nord, Renate Herzog, nicht die erhoffte Unterstützung zur Verhinderung des Abrisses. Die von ihr angedachte Rettung zumindest der markanten Giebelfront mit dem berühmten Sturzbalken und deren Integration in einen Neubau verfolgte sie anscheinend nicht besonders intensiv. Bereits nach dem Abriss sicherte mir der Bezirksamtsleiter in einem kurzen Gespräch zu, sich beim Investor, Herrn Eschbach, für eine Überlassung des Sturzbalkens mit der historischen Inschrift "Hans Daniel Behn Anno 1767 " den 4. September. Gott erhalte dieses Gebäude, denn die Welt ist ganz und gar nicht treu. Was kann uns denn nur Abgunst nützen, der liebe Gott wird uns doch wohl beschützen." einzusetzen. Nach einem ersten "großzügigen" Angebot, den beim Abriss in zwei Teile zerbrochenen Balken auf seine Kosten der Bredel-Gesellschaft ins Haus zu liefern, wurde allerdings nichts. Schließlich landete der Balken auf dem Privatgrundstück des "Investors" in Trittau. Es bedurfte noch Dutzender Telefongespräche und einiger Kosten, bis der alte Balken wieder in Fuhlsbüttel war. Nun muss er gründlich und fachmännisch restauriert werden. Danach sollte er als Zeitzeuge und Mahnmal in einem öffentlich zugänglichen Gebäude im Stadtteil ausgestellt werden. Außerdem müsste eine Tafel über seine bewegte Geschichte Auskunft geben. Die Bezirksversammlung Nord und das Bezirksamt wären nach der Fehlentscheidung 1998 und den anderen Peinlichkeiten gut beraten, diese Maßnahme über bezirkliche Sondermittel zu finanzieren.

Aber es geht um mehr, es geht um das Ende der nur von kurzfristigen Profitinteressen diktierten Abrisspolitik in Fuhlsbüttel und Ohlsdorf, die von einigen Behörden mitgetragen wird. So fielen u.a. das Schloss Erdkamp, die Gefängniswärterhäuser, das alte Flughafengebäude, der ehemalige Gasthof "Zum Alsterthal" in der Alsterdorfer Straße und die alten Arbeiterwohnhäuser im Sommerkamp der Spitzhacke und der Abrissbirne zum Opfer. All diese Gebäude hätten erhalten werden und sinnvoll genutzt werden können, z.B. der alte Kutscherkrug als Restaurant für Fuhlsbüttler und Flughafennutzer.

Wäre es nach Liegenschaft, Baubehörde und Denkmal"schutz"amt gegangen, würden die Zwangsarbeiterbaracken am Wilhelm-Raabe-Weg schon lange nicht mehr stehen. Hauptsächlich unserem beharrlichen Engagement ist es zu verdanken, dass sie heute als Ort lebendiger Geschichtsvermittlung von zahlreichen Besuchergruppen genutzt werden können.

Unser Stadtteil darf nicht zu einer Spielwiese geldgieriger Spekulanten und abgedrehter Architekten verkommen, sondern muss seinen typischen Charakter behalten. Da wir uns nicht auf den Denkmalschutz und die Behörden verlassen können, müssen wir den Schutz erhaltenswürdiger Bauwerke in die eigenen Hände nehmen, sonst werden wir in zwanzig Jahren oder schon früher eine ähnlich traurige Bilanz wie der alte Fuhlsbüttler Heimatchronist Walter Elwert 1979 ziehen müssen:

"Die heute vollzogene Umwandlung hat alle Formen so gründlich ausgemerzt, dass von dem einstigen Dorf auch die letzten Spuren gelöscht sind. Wir müssten eigentlich böse auf uns selbst sein, weil wir tatenlos zugesehen haben, wie ein Stück nach dem anderen ausgetilgt wurde, ohne dass wir bemüßigt waren, wenigstens einiges aus dem umfangreichen Erbe vor dem gänzlichen Vergessen zu bewahren. Wir sind auch nicht entschuldigt, wenn wir in der trügerischen Hoffnung gehofft haben, dass andere solches besorgt hätten."3

Dass bei genügend Engagement und einer starken Bewegung im Stadtteil selbst bereits stark beschädigte Gebäude wie das Alte Krematorium, heute als Alsterpalais, oder die Zwangsarbeiterbaracken am Wilhelm- Raabe-Weg erhalten werden können, sollte uns Mut machen.4

Hans-Kai Möller

1Armin Clasen, Fuhlsbüttel und Ohlsdorf, Aus der Geschichte zweier Hamburger Dörfer und Gemeinden, Hamburg 1963, S. 48-50.

2Ebenda, S. 47.

3Walter Elwert, Erinnerungen an Fuhlsbüttel, Geschichtliches, Erlebtes und Anekdotisches mit Federzeichnungen, Hamburg 1979, S. 1.

4Weitere Informationen über das abgerissene Haus enthält der Artikel von Hans-Kai Möller "Vom Kutscherkrug zur Rüstungsfabrik" (Teil 1). Der "Alsterberg", Alsterkrugchaussee 459, in: Rundbrief 1/1995, S. 4-8.

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Neues Leben im historischen Gebäude

10 Jahre Stadtteilkultur im alten Eingangsgebäude des Sommerbades Ohlsdorf

Bei aller Kritik an der Abrisspolitik der letzten Jahre, können wir doch wenigstens auf ein Gebäude verweisen, dessen heutige Verwendung ihm angemessen ist: Ein so genannter "Schumacher-Bau", das alte Eingangsgebäude des Sommerbades Ohlsdorf. Von 1926-1927 wurde das Schwimmbad Ohlsdorf gebaut und auch dieses Gebäude als Teil der Gesamtanlage fertiggestellt. Im HAMBURGER ECHO stand am 14.5.1927: "Es war & ein Ausbau, denn ein Badeplatz, der sich größter Beliebtheit erfreute, hatte sich hier schon seit Jahren entwickelt. &Hier war man vor den Toren der Stadt! Hier war man umgeben nicht von Häusern und Fabrikschloten, sondern von schattigen Bäumen. Hier war auch Licht, Sonne und reine Luft."

Mittlerweile liegt das Ohlsdorfer Schwimmbad zwar immer noch im Grü- nen, aber doch umgeben von viel Autoverkehr, U-, S-Bahn und Buslinien, sowie in der Nähe eines im Wachsen begriffenen Airports.

Der Oberbaudirektor des Hochbauwesens in Hamburg, Prof. Dr. Fritz Schumacher, der das Hamburger Stadtbild in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts entscheidend prägte, war auch der planerische Vater der Badeanstalt Ohlsdorf. Er zeichnete daneben verantwortlich für die Ausgestaltung der Ufer am Alsterkanal zwischen Eppendorf am Hayns Park und der Johanniskirche und der Ohlsdorfer Schleuse. Abschluss bilden hier die Marienkirche und die Wohnblocks am Woermannsweg und dem Justus-Strandes-Weg. Baumaterial - wie so oft bei Schumacher-Bauten - ist der rote Klinker.

Am 14. Mai 1927 wurde das Sommerbad Ohlsdorf offiziell eröffnet. Es gab hier zwei Schwimmbecken, ein Schwimmer- und ein Nichtschwimmerbecken. Man badete übrigens im Alsterwasser! "Bequem durch Bahn, Straßenbahn und Alsterdampfer zu erreichen," lobte 1927 das HAMBURGER FREMDENBLATT.

Über die Jahrzehnte verschlechterte sich die Wasserqualität der Alster und es stieg wohl auch der Anspruch der Badegäste an eine Badeanstalt, daher wurde sie von 1963 bis 1964 umgebaut. Die vorhandenen Becken wurden zugeschüttet, neue, kleinere entstanden, aber auch ein Kinderplanschbecken. Das Wasser kommt seit dieser Zeit nicht mehr direkt aus der Alster, sondern aus einem 150 Meter tiefen Brunnen und wird gefiltert und gechlort. 1970 folgte dann die letzte große Veränderung mit dem Bau des Hallenbades.

Das ursprüngliche und für das Gesamtbild der Anlage so wichtige alte Eingangsgebäude, die ehemalige Schalterhalle, durch die früher alle Badegäste strömten, kam quasi auf das Abstellgleis, denn die Kasse für das Freibad war jetzt ins Hallenbad integriert. Seit 1955 waren hier schon Läden, die Front war weiß verblendet und mit Schaufenstern verunstaltet. Seit 1972 schließlich gab es hier nur noch an der Hallenbadseite ein Restaurant und da, wo heute "Mook Wat" seine Büros hat, einen Zeitungskiosk.

Teils fast verfallen, teils baulich verändert genutzt, kannten die Einwohner dieses schöne Gebäude über Jahrzehnte.

1990 jedoch trat eine Veränderung ein. Ortsansässige Vereine, z.B. der HSC (Hamburger Schwimmclub), die Willi- Bredel-Gesellschaft und auch private Investoren bekundeten Interesse an diesem Gebäude in günstiger Lage. Von den interessierten Vereinen, zu denen bald auch "Mook Wat" gehörte, wurde infolgedessen Überzeugungsarbeit für eine nicht kommerzielle, kommunale Lösung beim Ortsamt Fuhlsbüttel geleistet.

Am 23.4.1990 beschloss der Ortsausschuss Fuhlsbüttel die kommunale Nutzungsvariante mit den Stimmen der SPD und GAL gegen die der CDU. Es wurde der "Förderverein für das alte Eingangsgebäude des Sommerbades Ohlsdorf" gegründet, der mit den Hamburger Wasserwerken einen Mietvertrag abschloss.

Nach umfangreichen Sanierungs- und Umbaumaßnahmen, die weitgehend vom Beschäftigungsträger "Mook Wat" durchgeführt wurden, fand am 5.9.1991 ein Richtfest statt. Der damalige Sozialsenator Ortwin Runde hielt die Festrede. Im September 1992 konnten die Mieter, u.a. die Willi-Bredel-Gesellschaft, einziehen und ein kommunaler Saal stand für Veranstaltungen zur Verfügung.

Der 1.1.2001 brachte eine weitere Veränderung: Jetzt wird der Saal nicht mehr vom Förderverein, sondern vom "Grünen Saal e.V." vermietet. Ziel war eine weitere Sicherung des Stadtteilzentrums mit Vereinen als Nutzern und dem Saal als Veranstaltungsort und Treffpunkt.

Der "Grüne Saal" sorgte am 22.4.2001 mit einer kleinen Einweihungsfeier für Öffentlichkeit, damit die neue Konstellation und die Möglichkeiten des Saales weiten Kreisen im Stadtteil bekannt wurde.

Im Schatten der immer weiter um sich greifenden Abrisse historisch bedeutsamer Bauten, blüht hier seit 10 Jahren in historischem Ambiente ein aktives Stück Stadtteilkultur und erhöht die Attraktivität des Alstertals zum Nutzen aller seiner Bewohner. Welche Möglichkeiten wurden durch das rigorose Plattmachen des alten Flughafengebäudes verschenkt?

Holger Tilicki

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Bredel-Jahr 2001

Am 2. Mai 2001 wäre Willi Bredel 100 Jahre alt geworden. Anlass genug für die Bredel-Gesellschaft sein Leben und Werk in den Mittelpunkt ihrer Aktivitäten zu stellen. Bredel antwortete 1935 in Moskau auf die Frage nach seiner Arbeitsweise: "Später, wenn ich selbst einen langen Vollbart oder ein bemoostes Haupt habe und auf mindestens zehn gute Bücher zurückblicken kann, dann kann ich auch mehr und Lehrreicheres von meinen Arbeitsmethoden erzählen."

Leider war Bredel der Rückblick auf sein Schaffen in einem hohen Alter nicht vergönnt. Aber auch heute lohnt sich die Beschäftigung mit seinem ereignisreichen Leben und seinem vielschichtigen Werk, das die historischen Erfahrungen des vergangenen Jahrhunderts aus fortschrittlicher Sicht bündelt.

Im Mai stellte der 90jährige Harry Fisher aus den USA sein Buch "Comrades" vor, seine Erinnerungen an den Kampf der Abraham-Lincoln-Brigade auf Seiten Volksfront-Spaniens gegen die spanischen Faschisten und die Interventionstruppen aus Deutschland, Italien und Portugal. Als junger New Yorker Kommunist jüdischer Herkunft ohne militärische Ausbildung ging Fisher nach Spanien mit dem Willen, sich dem Faschismus wirksam entgegenzustellen solange noch Zeit war. Ihm war bewusst, dass der Ausgang des spanischen Krieges enorme weltpolitische Konsequenzen haben würde. Sowohl der brutale Überfall italienischer Truppen auf Äthiopien 1935, als auch die Reichspogromnacht 1938 motivierten ihn zu diesem Schritt. In seinem ehrlichen und humorvollen Bericht wurde die Macht der Solidarität spürbar. Er hob auch wenig bekannte Aspekte hervor, so die privilegierte Stellung der amerikanischen Interbrigadisten, denen es z.B. möglich war bei Verwundung in die Heimat zurückzukehren. In den Interbrigaden konnten erstmals Afro-Amerikaner Offizier werden, während in der US-Armee noch strikte Rassentrennung herrschte. Und Harry Fisher ist seinen Überzeugungen bis heute treu geblieben: Als einer von 70 Veteranen der Interbrigaden nahm er im Rahmen der Feierlichkeiten zum 65. Jahrestag Ende Oktober 2001 im Teatro Monumental in Madrid Stellung gegen den Krieg seiner Regierung in Afghanistan.

Die Bredel-Woche im Mai wurde vom Tod Maj Bredels überschattet. Ihre Tochter Anna-May Kraus musste ihre Teilnahme absagen und konnte ihren Hamburg- Besuch erst im November nachholen. Am Bredel-Abend zeichnete Wolfgang Lau den Lebensweg von Maj nach und berichtete von seinen persönlichen Erinnerungen an sie.

Am gleichen Abend stellte René Senenko neue Forschungsergebnisse zu Bredels Flucht nach Prag vor. Maj hatte sich nach dem Tod ihres Mannes um dessen Nachlass gekümmert. So hat sie auf der Rückseite eines Frauenporträts den Vermerk hinterlassen, dass die Dargestellte eine Prager Künstlerin sei. René Senenko ist diesem Hinweis nachgegangen und es ist ihm gelungen, die Identität dieser Frau festzustellen. Es handelt sich um die Kunstmalerin Hella Guth, die Bredel nach seiner Flucht aus Deutschland in Prag unterstützte. Mit der Broschüre "Ein unbekanntes Kapitel " Willi Bredels Exil in Prag 1934" konnte so ein kurzer, aber wichtiger Abschnitt in Bredels bewegtem Leben erhellt werden. In jenen Monaten des Jahres 1934 hatte Bredel seinen dokumentarischen Roman "Die Prüfung" geschrieben.

Prof. Rolf Richter berichtete über eine andere, bisher wenig beachtete Zeit: Die Rolle Willi Bredels in den politischen Auseinandersetzungen Mitte der fünfziger Jahre. Die Busrundfahrt auf den Spuren Bredels durch Fuhlsbüttel, Alsterdorf, Winterhude, Barmbek und das Schanzenviertel führte zu Orten, die Bredel zu seinen realitätsnahen Hamburg-Romanen inspiriert haben.

Auch die 9. Fuhlsbüttler Filmtage im November waren unserem Namensgeber gewidmet. Drei DDR-Fernsehproduktionen standen auf dem Programm. Neben dem Klassiker "Sparverein Maienblüte" wurde ein Episodenfilm, "Zwischen Abschied und Wiedersehen", nach dem Roman "Die Enkel", gezeigt. Erstmals konnten wir auch den Film "Und lass dir kein Unrecht gefallen" nach Bredels Jugendbuch "Peters Lehrjahre" zur Aufführung bringen. Der Drehbuchautor dieses Streifens, Dr. Hansjörg Schneider, und der DEFA-Schauspieler und heutige Dozent an der Schauspielhochschule Ernst Busch Berlin, Reiner Heise, berichteten von den Drehbedingungen 1983/84. Anna-May Kraus erinnerte an ihre Eltern und an ihre eigene Kindheit unter den unglaublich harten Bedingungen des Exils in der Sowjetunion.

Insgesamt also eine gelungene Veranstaltungsreihe im Bredel-Jahr 2001 " ein Jahr, das mit Texten über den spanischen Krieg, von Gothard Scholz einfühlsam zu roten Weinen serviert, ausklang.

Hans Matthaei

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Willi Bredel: Präsident der Akademie der Künste 1962-1964

Hansjörg Schneider lieferte auch aufschlussreiche Hintergrundinformationen über die "Deutsche Akademie der Künste zu Berlin", deren Präsident Bredel von 1962 bis zu seinem Tode am 27. Oktober 1964 war. Bredels Hauptanliegen in dieser kurzen Zeit seiner Präsidentschaft war, eine größere Außenwirkung der Akademie zu erreichen. In der ersten Ausgabe eines Mitteilungsblattes der Akademie schrieb er im Januar 1963 in einem Geleitwort: "Es soll mithelfen, aus der Isolierung herauszukommen, in die unsere Akademie geraten ist. Es ist eine Tür nach außen und will berichten von dem, was im Hause und bei den Mitgliedern der Akademie vorgeht &Wir hoffen, dass auch und besonders unsere korrespondierenden Mitglieder, die außerhalb unserer Republik leben, dies Mitteilungsblatt begrüßen."

Im April 1964 besuchte Bredel korrespondierende Mitglieder der Akademie in der Bundesrepublik. An einer Zusammenkunft in Hamburg bei Prof. Harmsen, dem Vorsitzenden der Barlach-Gesellschaft, nahmen Nikolaus Barlach, der Sohn Ernst Barlachs, und Dr. Stolt, Vorstandsmitglied der Barlach-Gesellschaft, teil. Ferner traf er mit dem Schriftsteller Max von der Grün, dem Intendanten Heinz Hilpert und dem Maler Otto Dix zusammen.

Wie stark "die Republik" am kulturellen Leben teilnahm, wie detailliert z.B. auf dem VI. Parteitag der SED einzelne Veranstaltungen der Akademie kritisch diskutiert wurden und wie schwierig dadurch Bredels Stellung als Präsident war, zeigen die Folgen eines Lyrikabends: Stephan Hermlin ließ im Dezember 1962 junge, unbekannte Lyriker lesen, darunter Wolf Biermann sein Gedicht "An die alten Genossen". Bredel bezeichnete einige dieser Gedichte auf einer Plenartagung der Akademie am 30. Mai 1963 als "von zweifelhaftem Wert und etliche sogar unvereinbar mit unseren politischen und moralischen Grundsätzen". Hermlin wird in der Folge als Sekretär der Sektion Dichtkunst und Sprachpflege durch Alfred Kurella abgelöst. Auch der Leiter der Akademie-Zeitschrift "Sinn und Form" Peter Huchel wird Ende 1962 durch Bodo Uhse ersetzt, weil Huchel die Parteilinie einer sozialistischen Nationalkultur nicht mit vollzog.

Bredel stand also zwischen Parteitreue und Kollegialität gegen über seinen Schriftstellerkollegen und versuchte durchaus auch Position zu beziehen. Trotz der SED-Kritik an dem missglückten Lyrikabend sagte er auf der Plenartagung im Mai 1963: "Der Akademie aber, glaube ich, bleibt das Verdienst, der jungen Lyrik in der Deutschen Demokratischen Republik zum Durchbruch verholfen zu haben, und es wäre grundfalsch, zu resignieren oder gar der Meinung zu sein, keinerlei Initiative mehr zu entwickeln, und zu sagen, Aktivität werde bestraft. Aktivität ist immer gut. Kritisiert werden nur Fehler und Versäumnisse."

Am Ende dieser Rede formulierte Bredel sein politisches Ideal: "In dem Raum der Erde, in dem wir leben, geht es weithin nicht mehr um Hunger nach Brot, denn allen Menschen das Brot zu sichern war die erste Kulturtat der Arbeiterklasse, wie unser großer Freund Martin Nexö einmal sagte. Heute geht es vor allem um Hunger nach Erkenntnis, nach Wissen, nach Bildung, nach Kultur."

Der Traum von Brot und Rosen, welche Chancen wurden vertan, wie viel bleibt zu tun, um diesem Ideal näher zu kommen in einem Land, in dem die öffentliche Diskussion sich um Zuwanderungsgesetz, um Bundeswehreinsätze im Ausland und Riesterrente dreht, in einer Stadt, in der sich mit Stammtischparolen Wahlen gewinnen lassen?

Hans Matthaei

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Vier Beiträge über Willi Bredel, Maj Bredel und ihr Umfeld

In einer sehr lesenswerten neuen Rezension über Brigitte Nestlers hervorragende Bredel-Bibliographie beklagt der Autor Friedrich Albrecht: "Gründlicher als im Falle dieses Autors ist die deutsche

Literaturgeschichte wohl kaum jemals ,entsorgt' worden."1

Albrecht weist in diesem Zusammenhang auf die geringe Zahl der Veröffentlichungen über Willi Bredel nach 1989 hin, die fast ausschließlich - wie Albrecht positiv erwähnt - auf die Initiative der Bredel-Gesellschaft zurückzuführen sind. Nicht um diesem Ruf, über den wir uns natürlich freuen, gerecht zu werden, sondern in erster Linie um das facettenreiche Lebenswerk Willi Bredels zu würdigen und einen bescheidenen Beitrag zur Schließung der zahlreichen Forschungslücken zu leisten, drucken wir diesmal vier sehr unter-schiedliche Beiträge ab, die sich mit dem Leben, Werk und Umfeld unseres Namensgebers beschäftigen. Die Aufsätze sind alle im Zusammenhang mit dem 100. Geburtstag Bredels entstanden und sind im Sinne des auch von Bredel verwendeten Jaurès-Zitates "Tradition heißt nicht Asche aufzuheben, sondern eine Flamme am Brennen zu erhalten" zu verstehen.

Der bekannte Bredel-Forscher Prof. Rolf Richter erinnert an eine persönliche Begegnung in Moskau, anknüpfend an Bredels oftmals schwierigen Lebensweg und spart dabei nicht die Schattenseiten im Moskauer Exil und die scharfen Auseinandersetzungen in der SED 1956/57 und 1962/63 aus. Unter diesen Auseinandersetzungen litt nicht nur Willi Bredel, sondern auch seine Frau Maj Bredel, wie Jürgen Kuczynski in seinen Memoiren berichtet.2

In einem sehr persönlichen Artikel erinnert unser Mitglied Wolfgang Lau an die "Rote Maj", die Willi Bredel im Exil in Paris und Moskau kennen und lieben lernte. Durch viele hier erstmals veröffentlichte Fakten aus dem Leben dieser ungewöhnlichen, liebenswerten Frau wird deutlich, dass Maj Bredel viel mehr war als die "junge Ehefrau" an der Seite eines "würdevollen Dichter-Funktionärs".3 Wer etwas über diese Frau erfahren möchte, sollte sich nach der Lektüre von Wolfgang Laus Artikel auch noch einmal in "Die Enkel" und "Das neue Kapitel" vertiefen. Auch dort wird er fündig werden.

Das tragische Schicksal eines engen politischen und persönlichen Freundes von Willi Bredel aus der Hamburger KPD schildert Holger Tilicki. Der ehemalige Bürgerschaftsabgeordnete und Chefredakteur der Hamburger Volkszeitung Heinrich Meyer gehörte zu den vielen unschuldigen Opfern der Stalinschen Verfolgungsmaßnahmen. Eindrucksvoll widerlegt Tilicki Behauptungen der taz, die Bredel eine Mitschuld an der Verhaftung Meyers andichten will, und zeichnet den Lebensweg dieses Hamburger Kommunisten und seiner Familie nach.

Dieter Fechner aus Mühlhausen würdigt die umfangreichen Aktivitäten in der ehemaligen DDR auch nach dem Tode des Schriftstellers sein Werk und seine damit eng verwobene Lebensgeschichte einem großen Publikum zugänglich zu machen. Neben den zahlreichen preiswerten Buchausgaben trug auch die Umsetzung wichtiger Werke durch Rundfunk, Fernsehen und Film zum hohen Beliebtheitsgrad Bredels bei.

Hans-Kai Möller

1Friedrich Albrecht, Nestler, Brigitte: Bibliographie Willi Bredel, in: IWK, Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deut. Arbeiterbewegung, Jg. 37, Juni 2001, Heft 2, S. 247.

2Jürgen Kuczynski, Ein linientreuer Dissident, Memoiren 1945-1989, Berlin und Weimar 2. Auflage 1992, S. 143.

3 Matthias Wegner, Ja, in Hamburg bin ich gewesen, Dichter in Hamburg, Hamburg 2000, S. 431.

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Erinnerung an Willi Bredel

Moskau, 28. November 1963, Lomonossow-Universität: Ich war Aspirant bei den dortigen Literaturwissenschaftlern und ging hin über zu einer Veranstaltung der Fakultät für Journalistik mit Willi Bredel,übrigens ohne zu ahnen, dass ich mich viele Jahre später einmal intensiver mit dessen Leben und mit dessen Werk beschäftigen würde.

Bredel hatte in jenen Tagen als Präsident der Akademie der Künste der DDR Gespräche mit Vertretern der sowjetischen Partnereinrichtung und er unterzeichnete einen Kooperationsvertrag. Dar über hat seinerzeit Stanislaw Roshnowski einfühlsam berichtet.

Wie überall wurde Bredel vorgestellt als kommunistischer Kämpfer im Weimarer Deutschland und Vertreter der proletarisch- revolutionären Literatur, als Konzentrationslager-Gefangener, der den Faschismus bereits 1934/35 mit seinem Buch "Die Prüfung" weltweit angeprangert hatte, als Kommissar des Thälmann- Bataillons der 11. Internationalen Brigade im Spanienkrieg, als Propagandist an der Seite der Roten Armee im Kampf gegen die Hitlerwehrmacht und als Repräsentant des politischen und geistig-kulturellen Neubeginns im Osten Deutschlands nach 1945, in Mecklenburg-Vorpommern von Rostock und von Schwerin aus sowie dann in der Berliner Zentrale - man fragte ihn danach und er gab ausführlich Auskunft.

Und er ist dann in der Stadt, die ihm seit Beginn der dreißiger Jahre zu einer zweiten Heimat geworden war, auf den Spuren des eigenen Lebens gewesen. Er erinnerte sich an den ersten Aufenthalt 1932, an die Teilnahme am Sowjetischen Schriftstellerkongress 1934, an die Besuche in den Verlagen, die seine Bücher publizierten, an die Zeitschrift "Das Wort", die er von 1936 bis 1939 gemeinsam mit Bertolt Brecht und Lion Feuchtwanger herausgab, und an die Arbeit im Rundfunk vor allem in den Jahren des Krieges &

Woran aber mag er 1963 in Moskau noch gedacht haben?

An die Jahre vor dem Kriegsausbruch 1941, als er, aus Spanien zurückgekommen, hier seine wohl literarisch produktivste Zeit hatte, in der Lenin-Bibliothek arbeiten konnte und Ruhe zum Schreiben da war? Der Roman "Die Väter", die Erzählungen aus der Zeit der Französischen Revolution, besonders "Der Kommissar am Rhein" und "Der Tod des Generals Moreau", und über den preußischen Heerführer Gneisenau "Sieger ohne Sieg", zeugen davon genauso wie das Störtebeker Buch "Die Vitalienbrüder", das er ursprünglich einzig für seine beiden Söhne geschrieben hatte und das nunmehr seit 1950 ständig neu aufgelegt wird. Oder kam ihm das Gespräch mit Christa Wolf beim Dritten Sowjetischen Schriftstellerkongress 1959 in den Sinn, als er ihr "sein" Moskau zeigte und einiges andeutete über die tragischen Seiten der Stadt seit 1936, von den Prozessen, Repressalien und Verfolgungen unter Stalin? Vieles war da einfach unfassbar und unerklärlich, jeder musste um das eigene Leben fürchten, und alle, auch die exilierten deutschen Schriftsteller, auch Bredel, versuchten, sich zu retten und davonzukommen, und danach hatten sie geschwiegen, zu lange geschwiegen - diese Wunden heilten kaum und tiefe Narben waren geblieben.

Und sicher stand ihm auch vor Augen, wie er nach Stalins Tod, bei der Rückkehr vom Zweiten Schriftstellerkongress der UdSSR Ende 1954 und nach dem 20. Parteitag der KPdSU im Februar 1956 in der Hoffnung auf eine Erneuerung auch der eigenen Partei und des eigenen Staates sehr offene kritische und selbstkritische Worte sprach, zum Beispiel auf der 3. Parteikonferenz der SED im März 1956. Da klagte er Personenkult und Dogmatismus an und kritisierte "Lebensfremdheit, Unsicherheit in politischen und künstlerischen Fragen, mangelndes handwerkliches Können, vor allem aber Lebensfremdheit" in der Literatur, wo sich "Schriftsteller und Künstler nur an fertige Sachverhalte und bereits gewonnene Erkenntnisse heran machten, sie literarisch beschrieben und illustrierten", sowie die schematischen und einfallslosen Parteischulungen, die ihm wie "geistige Massenübungen" (zitiert in Anlehnung an Lenins Rede von 1920 "Die Aufgaben der Jugendverbände") vorkämen: "Offen und ehrlich erkläre ich hier, dass ich dieses Wort Lenins nicht vergessen hatte und nur bedauern kann, dass ich solange geschwiegen und in unserer Partei unwidersprochen etwas hingenommen habe, was nicht hätte geduldet werden dürfen" (Protokoll der Verhandlungen der 3. Parteikonferenz der SED, 24 3.-30.3.1956, Berlin 1956, Bd.I, S.540-546). Aber aus den Protokollen und anderen Dokumenten ist deutlich abzulesen, dass er da sehr schnell zur "Ordnung" gerufen wurde und sich zugleich selbst disziplinierte, in seinen weiteren Äußerungen die drastischen Töne zurücknahm, und nicht nur das, auf der 33.Tagung des ZK der SED im Oktober 1957 schwor er, ähnlich wie Johannes R. Becher, sogar einem guten Bekannten und Freund, dem verhafteten und verurteilten Verleger Walter Janka ab.

Nichtsdestoweniger hatte einigen Funktionären in der SED sein Aufbegehren überhaupt nicht gepasst, und Bredel war in der Folge des öfteren attackiert worden, zuletzt in übler Weise auf dem 6. Parteitag der SED im Januar 1963.

Ja, es gab vieles, worüber zu grübeln war.

Willi Bredel hatte dann bei den Moskauer Journalisten und Literaturwissenschaftlern den nach vorne gereichten Stapel von Fragezetteln "abgearbeitet" und war zu dem letzten Papier gekommen, dem obligatorischen, und er antwortete: Er hoffe noch auf weitere 30 bis 35 Jahre und wolle zunächst zwei Bücher fertig stellen - eine Art Autobiographie und "Wege der Prüfung" von dem Schicksal des Buches über das faschistische Konzentrationslager.

Bredel konnte diese Pläne nicht mehr verwirklichen, nach knapp einem Jahr, am 27.Oktober 1964, starb er, viel zu früh, während der Arbeit in der Akademie der Künste.

Über die ins Auge gefasste Autobiographie hatte er in Moskau gesagt, es sollte trotz seiner nachdenklichen und ernsten Seiten ein überwiegend humorvolles und fröhliches Buch werden.

Und das war es ja auch, was vielen von Bredel zuerst in Erinnerung geblieben ist: Bei allem Tragischen und Schweren, in seinen eigenen Fehlern und Irrtümern, bei allen Zweifeln und Konflikten, war er doch ein Mensch, der optimistisch seine Ideale vertrat, der Heiterkeit ausstrahlte, er war der Freund und Kamerad mit einem unverwüstlichen, ansteckenden, unwiderstehlichen Lachen, das manches im Leben leichter machte.

Am 2. Mai 2001 wäre Willi Bredel 100 Jahre alt geworden.

Rolf Richter

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Abschied von der Roten Maj

Maj-Ingrid Bredel ist tot. Die Ehefrau von Willi Bredel starb im Alter von fast 87 Jahren nach einem 12-jährigen Krankenlager am 27. April vorigen Jahres in einem Heim bei Berlin.

Wer war Maj Bredel? Ihre interessante Biografie umfassend wiederzugeben, würde den Rahmen dieses Heftes sprengen. Daher von mir - als langjähriger persönlicher politischer Freund des Hauses Bredel - hier nur ein kleiner Ausschnitt aus ihrem Leben.

Sie wurde am 5. Mai 1914 als Tochter des Elektroinstallateurs Karl-Gustav Olson und seiner Frau Elin-Kristina in der Nähe von Stockholm geboren. Ihre Eltern waren seit 1909 sozialdemokratisch organisiert. Ihr Vater trat jedoch 1939 aus der Sozialdemokratischen Partei aus und sympathisierte seitdem mit der Kommunistischen Partei Schwedens. Später besuchte er oft die DDR im Rahmen seiner Mitgliedschaft in der Gesellschaft "Schweden- Deutsche Demokratische Republik".

Mit 14 Jahren wurde Maj Mitglied des Sozialdemokratischen Jugendverbandes Schwedens. Vor, sowie nach 1933 arbeitete sie aktiv in der Internationalen Arbeiterhilfe und in der Roten Hilfe, die viele Emigranten aus Deutschland unterstützten. Diese Emigranten arbeiteten von Schweden aus für das antifaschistische Deutschland mit Unterstützung der Kommunistischen Partei Schwedens, deren Mitglied Maj im Jahre 1934 wurde. In dieser Zeit stellte sie Verbindungen her zwischen deutschen Genossen in Stockholm und Genossen auf den Schiffen Hitler-Deutschlands, die im Stockholmer Hafen lagen.

1935 ging Maj Bredel in die Sowjetunion, um Russisch zu lernen. Eineinhalb Jahre arbeitete sie in der Komintern und war während dieser Zeit auch im Ausland tätig, vor allem 1936, als sie materielle Hilfe für das schwer kämpfende spanische Volk organisierte. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 begann ihre Arbeit im Staatlichen Rundfunkkomitee in Moskau - in der schwedischen Redaktion als Übersetzerin, Redakteurin, sowie Ansagerin. Während des 2. Weltkriegs saßen viele Schweden vor dem Radio, um die Frontberichte aus dem Ausland abzuhören, vor allem Sendungen der BBC London und von Radio Moskau. Nacht für Nacht suchten politisch fortschrittliche Menschen zwischen Göteborg und Kiruna auf der Rundfunkskala die angenehme Stimme ihrer "Roten Maj", um sich aus ihren Meldungen Kraft für ihre Solidarität, sowie für ihre kämpferischen Aktionen zu holen.

Als die Hitler-Truppen vor Moskau standen, half sie mit, eine zweite Sendestation in Swerdlowsk zu errichten, um eine gezielte Propaganda in skandinavischen Sprachen zu ermöglichen. Auch hier fesselte Maj ihre Hörer nicht nur durch ihre konkrete Berichterstattung, sondern auch durch ihre begeisternde und mitreißende Art, sowie durch ihre wunderbare Stimme. Sie konnte sich in sechs Sprachen verständigen und recherchierte mit einer nicht zu überbietenden Gründlichkeit.

Majs Arbeitspensum in diesen Jahren war enorm, oftmals bis an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Während sie tags über aktuelle Texte übersetzte, mit Emigranten oder hochrangigen Genossen Beratungen durchführte, bei Angriffen auf Moskau in Kellern oder Unterständen Rundfunksendungen redaktionell vorbereitete und mitunter auch Panzersperren baute oder Splittergräben aushob, ging sie abends auf Sendung. Es waren schwere und gefährliche Jahre. Hinzu kam, dass sie mit Willi Bredel in dieser Periode wenig zusammen sein konnte, da er oft für längere Zeit an der Front aktiv war.

1946 reiste sie nach Deutschland - in die damalige Ostzone - und heiratete ein Jahr danach Willi Bredel. Bereits 1942 hatten beide endgültig beschlossen, ihren Lebensweg gemeinsam zu gehen. Beide sahen es als ihre wichtigste Aufgabe an, beim Aufbau eines neuen Deutschlands ohne Faschismus, Junkerherrlichkeit und Ausbeutung mitzuhelfen. Auch Maj wurde Mitglied der SED und übernahm in den folgenden Jahren mehrere politisch-journalistische Funktionen, so z.B. als Kontroll-Redakteurin am Institut für Marxismus- Leninismus in Berlin, danach als Redaktionsleiterin für die schwedische Redaktion im Radio Berlin International. Dar über hinaus hatte sie die Verantwortung für die Herstellung der Zeitschrift "DDR-Revue - Schwedische Ausgabe". Beim DDR-Rundfunk arbeitete sie freiberußich. Jedoch zwang sie die schwere Erkrankung Willi Bredels im Jahre 1957 arbeitsmäßig kürzer zu treten.

Nachdem Maj ihrem Willi stets ein zuverlässiger Partner und eine sichere Stütze im politischen Alltag, sowie der erste Kritiker seiner Bücher gewesen war, stand sie ihm nun liebevoll in seiner Krankheit bei und betreute ihn fürsorglich. Nach dem Tode von Willi Bredel im Jahre 1964 hat Maj hauptsächlich seinen literarischen Nachlass betreut. Daneben wirkte sie auch noch öffentlich. Mit ihren Reden auf Jugendweihen begeisterte sie viele Jugendliche. Kurz vor ihrer langjährigen Krankheit war sie - trotz einer bereits immens fortgeschrittenen Sehbehinderung - angefangen, ihre Memoiren zu schreiben. Leider blieb es beim Anfang. Schade! Maj hatte so viel Interessantes mitzuteilen.

Ich habe Maj Bredel über ihren Sohn Claus vor ca. 35 Jahren kennen und bei den vielen Begegnungen mit ihr in Berlin, Teupitz, Leipzig, sowie Hamburg, schätzen gelernt. Hier wurden wir Freunde. Sie war eine Herzens-Kommunistin, die ihrer Familie, ihren Freunden und Gästen menschliche Nestwärme vermittelte. Dazu trugen auch ihre legendären Koch- und Backkünste bei. Dar über hinaus war ihre Gastfreundschaft beispielhaft! Für mich unvergessen sind unsere politischen Gespräche, die u.a. auch mit Willi im Zusammenhang standen. Leider habe ich ihn ja nicht mehr persönlich kennengelernt. Doch Majs Informationen haben ein wenig dieses Defizit ausgeglichen. In der Folgezeit las ich einige seiner Bücher mit großem Interesse und lernte viel.

Maj Bredel war eine kritische Kommunistin. Als ich im Rahmen einer Einladung zu den Feierlichkeiten "20 Jahre DDR" im Jahre 1969 bei ihr privat zu Kaffee und Kuchen eingeladen war, traf ich dort u.a. ihre beste Freundin, mit der sie zusammen im Exil in Moskau gelebt hatte. Das Dreiergespräch mit Maj und ihrer Freundin auf dem Balkon der Bredel-Wohnung in der Ifflandstraße 1 in Berlin war für mich ein Schock. Als Anhänger des Sozialismus hatte ich zwar vorher schon bereits von so genannten "Ungereimtheiten" der Stalinzeit gehört. Nun wurde ich hier schonungslos über die vielen unschuldigen Menschenopfer dieser Zeit aufgeklärt. Das Gespräch zeigte mir, dass Maj in ihrer tiefen Ehrlichkeit nicht vor Fehlern in der eigenen Partei die Augen verschloss, sondern sie furchtlos beim Namen nannte und sie ebenfalls kritisierte. Sie stand für ihre Überzeugung und wollte auch danach leben.

Ebenso bestach die Bescheidenheit von Maj Bredel. Als sie mal besondere Medikamente für ihre Gesundheit aus Westberlin benötigte und sie diese als Schwedin aufgrund ihrer Reisefreiheit selbst hätte besorgen können, bat sie mich um Hilfe. Sie wollte an der Grenze keine Privilegien demonstrieren.

Nun hieß es, endgültig Abschied zu nehmen. Zur Trauerfeier am 28. Mai 2001 in Friedrichsfelde waren 50 Personen - Familienmitglieder und Freunde aus Deutschland und Schweden - gekommen, um sich von einem hervorragenden, selbstbewussten und integren Menschen würdevoll zu verabschieden, der in die politischen und sozialen Kämpfe des unlängst zu Ende gegangenen Jahrhunderts aktiv eingegriffen hat.

Eine Freundin aus Schweden überbrachte Grüße von Genossinnen und Genossen aus Schweden, mit denen Maj zusammen gearbeitet hatte und legte von jedem am Grab eine rote Rose nieder. Maj, wir denken an Dich!

Wolfgang Lau

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Willi Bredel und das tragische Schicksal seines Freundes Heinrich Meyer

Am 2.5.2001 veröffentlichte "die tageszeitung" (taz) in ihrem Hamburg-Teil zum 100. Geburtstag von Willi Bredel einen Artikel mit dem Titel "Vom Arbeiter zum Schriftsteller "

Der Autor Bernhard Röhl beschäftigt sich in diesem Beitrag auch mit Bredels Rolle im Moskauer Exil und behauptet in diesem Zusammenhang, Bredel hätte unter dem Titel "Die Säuberung" einen "Generalbericht" abgeliefert und nenne die Namen von sieben deutschen Schriftstellern, die er als Konterrevolutionäre bezeichnet. Weiter schreibt die taz: "Von den Autoren, die unter anderem von Bredel denunziert worden waren, wurden die meisten umgebracht. Einer von ihnen war Heinrich Meyer &"

Erst einmal: Das Buch "Die Säuberung", 1991 herausgeben von Reinhard Müller (Buchbesprechung im Rundbrief der WBG Nr. 1/1992), aus dem hier zitiert wird, protokolliert in der Hauptsache eine geschlossene Parteiversammlung der deutschen Kommission des sowjetischen Schriftstellerverbandes 1936 in Moskau und stammt nicht aus der Feder von Willi Bredel. In diesem Buch werden Diskussionsbeiträge sowohl von Meyer als auch von Bredel dokumentiert. Richtig ist, dass er dort eine seiner Erklärungen als "Generalbericht" bezeichnete1. Weiterhin erklärt sich Bredel hier als mitschuldig an einer ungenügenden Wachsamkeit gegen über mutmaßlichen Konterrevolutionären und nennt einige Namen von ihm für verdächtig gehaltener Personen, was keinesfalls positiv zu bewerten ist. Aber der von Röhl besonders herausgestellte Meyer ist selbst Teilnehmer der Versammlung und wird von Bredel hier nicht verdächtigt.

Wer war eigentlich dieser Heinrich Meyer? Am 22.5.1904 in Hamburg geborenen, war er zunächst Lehrer, sowie seit 1922 KPD-Mitglied. Nach öffentlichen politischen Auftritten wurde er mit Berufsverbot belegt und arbeitete daher ab 1925 als Redakteur bei der HAMBURGER VOLKSZEITUNG (HVZ). Er wurde - wie einige Jahre später auch einmal Bredel - als verantwortlicher Redakteur zu einem Jahr Festungshaft verurteilt. Ab Oktober 1928 war auch Willi Bredel Redakteur bei der HVZ. Vermutlich holte Meyer, der bald Chefredakteur wurde, den jungen Arbeiterschriftsteller und ehemaligen Mitherausgeber der "Sozialistischen Filmkritik" an den Valentinskamp. In dieser Zeit heiratete Meyer die 22jährige Lisbeth Korth, eine Angestellte der KPD-Bezirksleitung Wasserkante. Während seiner Zeit als Bürgerschaftsabgeordneter in Hamburg in den Jahren 1931/32 wurde ihre Tochter Ilse geboren.

Familie Meyer ging bereits 1932 nach Berlin, wo Heinrich als enger Mitarbeiter des Parteivorsitzenden Ernst Thälmann im ZK die Abteilung Agitation und Propaganda übernahm. Zu Thälmanns weiteren engen Mitarbeitern zählten Erich Birkenhauer, Werner Daniel Hirsch und Herbert Wehner. Lisbeth arbeitete im zentralen Literaturvertrieb der KPD.

Im Dezember des selben Jahres wurde Heinrich Meyer wegen seiner führenden Rolle im Streik bei den Berliner Verkehrsbetrieben unter der Regierung Schleicher verhaftet. Nach dem Machtantritt von Adolf Hitler wurde er ins KZ überführt, wo er bis Herbst 1934 in "Schutzhaft" war. In dieser Zeit arbeitete Lisbeth Meyer illegal in Berlin und Hamburg, wurde auch vor- übergehend in "Schutzhaft" genommen und emigrierte Ende 1933 mit ihrer Tochter in die UdSSR. Im Februar 1935 konnte endlich auch ihr Mann nachkommen.

Beide nahmen im selben Jahr an der so genannten "Brüsseler Konferenz" bei Moskau teil, beide waren sie Mitarbeiter des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale (EKKI), Heinrich zusätzlich noch Sekretär des Politbüros der KPD. Wehner schrieb in seinen Erinnerungen an die Zeit in Moskau: "Meyer trat bei vielen Gelegenheiten als der Schatten und Mentor des damals mit einem Buch "Die Prüfung" bekannt gewordenen Verfassers Willi Bredel auf. Meyer schrieb und verschaffte Bredel Rezensionen und Bredel führte Meyer dort ein, wo er es nötig hatte."2 Heinrich Meyer betätigte sich auch als Gutachter für den Staatsverlag für Unterricht und Pädagogik und veröffentliche in DAS WORT, dessen Mitherausgeber Bredel war, Beiträge unter seinem Decknamen Heinrich Most.

Im August 1937 - zu diesem Zeitpunkt war Bredel in Spanien - wurde Heinrich Meyer im Zuge der Stalinschen Säuberungen verhaftet und am 3. September 1938 durch das Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR (MKOG) zum Tode verurteilt und erschossen. Nach seiner Verhaftung versuchte seine "Frau wie verrückt alles über jeden herauszufinden &, um dadurch die Freilassung ihres Mannes zu erwirken".3

Im selben Jahr kam Willi Bredel aus dem Spanischen Bürgerkrieg zurück nach Moskau und traf Lisbeth Meyer, die sich prostituieren musste, um nach der Verhaftung ihres Mannes zu überleben, zufällig auf der Straße. Bredel war tief erschrocken und brachte ihre kleine Tochter bei sich unter, da beide in nur einem düsteren Zimmer leben mussten. Er wandte sich an Ulbricht, um Lisbeths unhaltbarer Situation ein Ende zu bereiten. Ulbricht jedoch erteilte Bredel eine harte Abfuhr: "In Maßnahmen der sowjetischen Sicherheitsorgane mischen wir uns nicht ein. Das Kind wirst du noch heute dort abliefern, wo du es geholt hast. Es täte mir sonst leid, wenn du dich in den Verdacht bringst, gemeinsame Sache mit Spionen zu machen."4 Bredel musste also das Kind wieder zurückbringen und konnte auch die Verbannung der Restfamilie 1941 nach Kasachstan nicht verhindern.

Von dort aus kehrten alle drei - Lisbeth Meyer und ihre zwei Töchter Ilse und Janet - 1955 nach Berlin/DDR zurück.

Trotz der posthumen Rehabilitation Heinrich Meyers durch das MKOG und die Zentrale Parteikontrollkommission der SED in den Jahren 1956 resp. 1959, eine bis in die Auswirkungen auf seine Familie tragische, Verzweiflung und Wut auslösende Biografie. Und kein Einzelfall: Das Buch "In den Fängen des NKWD" nennt über 1.100 deutsche Kommunisten, die von den Maßnahmen gegen angebliche Spione, Gestapo- Kollaborateure und Trotzkisten betroffen waren, teilweise zum Tode verurteilt wurden, verbannt wurden und dort oft umgekommen sind.5 Sie alle wurden Opfer eines Terrors gegen die eigenen Genossen.

Willi Bredel kam durch. Das mag ihn verdächtig erscheinen lassen, aber macht ihn nicht automatisch schuldig. Schon gar nicht daran, einen langjährigen Freund ans Messer geliefert zu haben. Ohne eine durch Dokumente gesicherte Erkenntnis bleibt die Behauptung einer tödlichen Denunziation in der taz eine Vorverurteilung ohne Beweise.

Durch Dokumente genau belegt ist allerdings, dass Herbert Wehner nach der Verhaftung Meyers kräftig dazu beigetragen hat, ihn in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen: In einem Schreiben an die Kaderabteilung des EKKI beschreibt er schon am 30.8.1937 wie er 1932 gehorsam Thälmanns "Richtlinien für die Arbeit, die ich zu machen hatte" folge leistete, während Meyer "ungeeignete" Leute (z. B. den Hamburger Vatti Hoffmann) mit organisatorischen Arbeiten beauftragte.6 Scharf äußert sich Wehner in einem Brief an Wilhelm Pieck am 26.11.1937 über "ein schlechtes Element" (Birkenhauer), dass "abzustoßen" sei: "& man muss diesen Fall unmittelbar neben den des ehemaligen Parteimitglieds Meyer stellen, dessen feindlicher Charakter ebenso wenig von unseren Parteiorganen erkannt wurde." Das wäre "insbesondere auf Grund ihrer Haltung in der Partei 1933 bis 1935 & nötig gewesen."7 Waren das nicht eher Beiträge zum Todesurteil gegen Heinrich Meyer?

Beim Heranziehen von Aussagen aus dieser Zeit ist natürlich zu beachten, dass die Möglichkeit, auf detaillierte Informationen über die Situation im Moskauer Exil zurückzugreifen, begrenzt ist. Einmal war es nach der Befreiung vom Faschismus in der DDR Konsens, dass aus der Sowjetunion Zurückgekehrte öffentlich nichts Negatives über diese Zeit berichteten und außerdem fand auch nach Stalins Tod und dem 20. Parteitag der KPdSU im März 1956, auf dem Chruschtschow Stalins Verbrechen öffentlich machte und verurteilte, dort keine wirkliche Aufarbeitung dieser Zeit statt.

Willi Bredel soll hier als böser Stalinist dargestellt werden, aber der Vorwurf der taz ist falsch. Er dient einmal mehr dazu, die Arbeiterbewegung und das sozialistische Lager, pauschal als abgrundschlecht, verlogen und deren Ideale als grundsätzlichen Irrweg entlarven zu wollen. Die Absicht ist klar: Jeder Linke, der die heutigen Verhältnisse kritisiert, Menschlichkeit und Gerechtigkeit einfordert, soll durch die Fehler und Verbrechen der Stalinzeit von vornherein diskreditiert werden. Von der linken (?) taz sollte man jedenfalls eine differenziertere Sichtweise erwarten.

Holger Tilicki

1Reinhard Müller (Hrsg.), Die Säuberung, Reinbek, 1991, Seite 332

2Herbert Wehner, Zeugnis, Köln 1982, Seite 153

3David Pike, Deutsche Schriftsteller im Sowjetischen Exil 1933-1945, Frankfurt a.M., 1981, Seite 466

4Walter Janka, Spuren eines Lebens, Berlin, 1991, Seite 307-308

5Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung, In den Fängen des NKWD - Deutsche Opfer des stalinistischen Terrors in der UdSSR, Berlin, 1991

6Reinhard Müller, Die Akte Wehner, Moskau 1937 bis 1941, Berlin 1993, Seite 256 f

7Ders., Seite 311 ff

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Zur Pflege des Erbes von Willi Bredel in der DDR

Bereits zu Lebzeiten des Schriftstellers kündigte der Aufbau-Verlag 1962 eine achtbändige Werkausgabe an, deren erste Bände anlässlich seines 70. Geburtstages erschienen. Später wurden die "Gesammelten Werke Einzelausgaben" auf 14 Bände erweitert und die Werkausgabe 1976 mit der Publizistik des Schriftstellers abgeschlossen. 1981 betrug die Gesamtauflage der bei Aufbau erschienenen Bredel-Bücher mehr als 1,5 Millionen Exemplare. An der Spitze lag der Roman "Die Väter" mit 30 Auflagen und mehr als 400.000 Exemplaren.

Aus Bredels Nachlass erschien 1976 die umfangreiche Erzählung "Peters Lehrjahre", die er 1942/43 während des Krieges geschrieben hatte. Sie schien in der Nachkriegszeit nicht von entsprechender Dringlichkeit zu sein und blieb folglich liegen. Der vierzehnjährige Peter gelangt während eines Landeinsatzes der Hitler-Jugend an den Drehpunkt seines Denkens und erinnert sich der Mahnung der Eltern: "Und lass dir kein Unrecht gefallen!" Ein weiteres umfangreiches Werk Bredels wurde 1975 wiederentdeckt: die 1937 bis 1939 geschriebene "Geschichte der 11. Internationalen Brigade", die neben anderen Arbeiten 1978 im Aufbau Verlag unter dem Sammeltitel "Spanienkrieg" erschien. Die zweibändige Ausgabe, die Manfred Hahn herausgab, enthielt auch die Urfassung der "Begegnung am Ebro", Protokolle, Reportagen, Dokumente und Tagesberichte.

Bereits 1968 veröffentlichte die Bredel- Kennerin Lilli Bock den erweiterten Band der Reihe "Schriftsteller der Gegenwart" über diesen Autor. Walther Victor machte mit seinem "Bredel-Lesebuch" Leben und Schaffen einem breiten Leserkreis bekannt. Für 1982 wurde eine 4. neu bearbeitete Außage dieses Lesebuchs vorbereitet. Die Leiterin des Willi-Bredel-Archivs Gerda Weißenfels veröffentlichte 1976 im Eulenspiegel-Verlag ein Bändchen Anekdoten unter dem Titel "Faust auf der Reeperbahn", das aus größtenteils unveröffentlichten Materialien des Archivs bestand.

Zum 65. Geburtstag des Schriftstellers wurde die Buchhandlung am Berliner Rathaus "Buchhandlung Willi Bredel" benannt. Der damaligen Stadt- und Bezirksbibliothek Rostock wurde aus gleichem Anlass sein Name verliehen. Der Komponist Wilhelm Neef schuf nach Bredels Novelle "Das schweigende Dorf" eine Oper, die ihre Erstaufführung 1971 am Mecklenburgischen Staatstheater erlebte. An dem Kolloquium "Arbeiterklasse und Literatur" anlässlich Bredels 70. Geburtstages 1971 nahmen 170 Literaturwissenschaftler, Bibliothekare und andere in Schwerin teil.

Zu seinem 75. Geburtstag zeigte die Berliner Stadtbibliothek eine Willi-Bredel- Ausstellung, in der eine umfassende Übersicht über sein Wirken vom ehemaligen Dreher bis zum Präsidenten der Akademie der Künste vorgestellt wurde. 1985 war im Staatlichen Museum von Schwerin eine Sonderausstellung über die kulturpolitische und literarische Tätigkeit des Schriftstellers aus den vier Nachkriegsjahren in Mecklenburg zu sehen.

Verschiedene Künstler versuchten die Persönlichkeit Willi Bredels bildkünstlerisch zu gestalten, wie die Bildhauer Johannes Friedrich Rogge, Gerhard Rommel, Hans Eickworth und Klaus Freytag, die Maler Bert Heller und Heinz Wodzicka und die Grafikerin Elizabeth Shaw.

1968 gestalteten Peter Gugisch und Rolf Gumlich eine funkdramatische Bearbeitung von Bredels Roman "Die Väter". Regie führte bei der achtteiligen, beeindruckenden Hörspielfolge Fritz-Ernst Fechner. Für den dreiteiligen Fernsehfilm "Verwandte und Bekannte" schrieb Hans-Albert Pederzani das Drehbuch und Regie führte Georg Leopold. Der Fernsehtrilogie über den Erkenntnisweg des Johann Hardekopf - gespielt von Gerhard Bienert - lag Bredels Roman "Die Väter" zugrunde.

1981 diente der Roman "Dein unbekannter Bruder" als Vorlage für den gleichnamigen DEFA-Film von Ulrich Weiß. Nach Motiven von Bredels Erzählung "Peters Lehrjahre" drehte Gunter Friedrich den Fernsehfilm "Und lass dir kein Unrecht gefallen! "

In späteren Jahren bemühte sich das Bredel-Archiv, die russischsprachigen Veröffentlichungen des Schriftstellers zu ermitteln und aufzuarbeiten. Sowjetischen Angaben zufolge sind allein in der Zeit von 1932 bis 1941 in der UdSSR 45 Veröffentlichungen mit einer Gesamtauflage von 672.000 Exemplaren erschienen. In den Jahren des Krieges wurden noch weitere 159.000 Exemplare seiner Bücher herausgegeben.

Aus den unterschiedlichen und sicher nur unvollständigen Angaben lässt sich erkennen, Willi Bredels "Bücher wurden Volksbesitz und sind nicht mehr wegzudenken &" (Walther Victor).

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Bei anderen gelesen

Eine Rezension zur Publikation "Willi Bredels Exil in Prag"

Zusammen mit dem nebenstehenden Artikel schickte uns René Senenko, Vorstandsmitglied der Willi-Bredel-Gesellschaft in Hamburg, seine soeben erschienene Broschüre Willi Bredels Exil in Prag. Wir haben uns darüber sehr gefreut und möchten sie unseren Lesern herzlich empfehlen.

Der Hamburger Schriftsteller Willi Bredel flüchtete 1934 in die Tschechoslowakei, wo er bis zum Herbst blieb und seinen Roman ,,Die Prüfung" verfasste. Ein aus dieser Zeit stammendes Foto von einer zunächst unbekannten jungen Frau - die dann als die Malerin Hella Guth identifiziert werden konnte - wurde für Senenko zum Anknüpfungspunkt, um die Spuren Bredels in Prag zu erforschen. In sehr knapper, prägnanter Form - der Text umfasst einschließlich zahlreicher weiterer Fotos nur 30 Seiten im schmalen Kleinformat (ergänzt durch vier Seiten Anmerkungen und vier Seiten Literaturliste) - gelingt es dem Autor, die Umstände vorstellbar zu machen, unter denen Bredel in diesen Monaten lebte. Senenko beschreibt die Ergebnisse seiner Spurensuche immer sehr konkret, nennt Namen und Adressen. Die Schauplätze werden wiedererkennbar, für den Prag-Besucher zum Teil anhand von Fotos identifizierbar. Der mit entsprechenden Markierungen versehene Plan der Prager Innenstadt im ausklappbaren Kartondeckel erleichtert zusätzlich das Auffinden historischer Orte, die in keinem Reiseführer vermerkt sind. Wer beispielsweise die Bethlehemkapelle aufsucht, in der einst der große tschechische Reformator Jan Hus predigte, findet unweit davon, in der Betlemská 6, das Haus, in dem der slowakische Unternehmer Karel Stein den Konferenzsaal seiner Firma dem deutschen Schriftsteller und Verleger Wieland Herzfelde als Unterkunft und Verlagsraum zur Verfügung stellte und in dem zeitweise auch Bredel ein Zimmer mit Ernst Ottwalt teilte. Als Sitz von Herzfeldes Malik-Verlag wurde die Betlemská 6 ,,eine der wichtigsten Adressen für die aus Deutschland verjagten Schriftsteller. Bei Herzfelde publizierten fast alle Autoren René Senenko Willi Bredels Exil in Prag

von Rang: Brecht, Feuchtwanger, Scharrer, Ehrenburg, O.M. Graf, Scholochow, Becher, Seghers, und nicht zuletzt Bredel. Das Credo der von Herzfelde in Prag gegründeten literarischen Exilzeitschrift ,Neue Deutsche Blätter' hieß: ,Wer schreibt handelt.' Der Verleger wollte seine Autoren, unabhängig von ihren weltanschaulichen Positionen, zu einem gemeinsamen Handeln gegen den Faschismus zusammenführen und strebte danach, in diesem Sinne auch die Leser zu aktivieren. Die Worte, die der Verleger in der ersten Nummer der NDB an seine Autoren richtete, stehen für ein Programm: ,Es gibt keine Neutralität. Für niemand. Am wenigsten für den Schriftsteller.'"

Am Beispiel Bredels lässt Senenko die Situation der geflüchteten deutschen Schriftsteller insgesamt lebendig werden. Es gelingt ihm, die Atmosphäre der Solidarität und der kämpferischen Intensität zu vermitteln, in der sie - trotz bedrückender materieller Enge, trotz der Sorgen über das Schicksal von Verwandten und Freunden zu Hause und trotz all der Probleme, die mit dem Leben im Exil unweigerlich verbunden waren - schöpferische Kräfte entfalten konnten, um die Menschen innerhalb und außerhalb Deutschlands gegen den Faschismus zu mobilisieren.

Die Sorgfalt, mit der diese Broschüre geschrieben, redigiert und gestaltet ist, lässt darauf schließen, dass sich der Autor und alle, die außer ihm an diesem kleinen Kunstwerk mitgewirkt haben, mit großer Ernsthaftigkeit ihrer eigenen antifaschistischen Arbeit widmen. Danke nach Hamburg!

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Aus Deutsch-Tschechische Nachrichten, Nr. 30, Juni 2001

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Ein Brief von Theo Massuger

Die Zeitschrift der ehemaligen niederländischen Zwangsarbeiter "Nieuwsbrief ex-Dwangsarbeiders Nederland in de Tweede Wereldoorlog" hat in ihrer Ausgabe März/April 2001 einen ausführlichen Leserbrief von Theo Massuger veröffentlicht, in dem er den Besuch der ehemaligen Zwangsarbeiter aus dem Lager am Wilhelm-Raabe- Weg im September 2000 bei uns und seine Vorgeschichte für die Leser der Zeitschrift schildert. Da wir auch unseren Lesern, die Theo Massuger und seine Kollegen teilweise persönlich kennengelernt haben, diesen Bericht zugänglich machen wollen, hat sich Herr Massuger für die Leser des WBG-Rundbriefes die Mühe gemacht, seinen Leserbrief in eine deutsche Rohfassung zu übersetzen. Dafür gebührt ihm unser besonderer Dank! Ich habe mich bemüht diese stilistisch zu bearbeiten, ohne den Sinn der Worte Theo Massugers zu verändern. An einigen Stellen habe ich geringfügige Kürzungen vorgenommen.

Hans-Kai Möller

Lieber Herr Pontier,

heute habe ich zwei Rundbriefe nebeneinander liegen, einer von den ehemaligen Zwangsarbeitern aus den Niederlanden und den anderen von der Willi-Bredel-Gesellschaft e.V. Geschichtswerkstatt (WBG) aus Hamburg. Das ich den letzteren bekommen habe, habe ich Ihnen zu verdanken, Herr Pontier. In dem Nieuwsbrief vom März 2000 war eine Suchmeldung der WBG nach Zwangsarbeitern aufgenommen worden, die zwischen 1943 und 1945 nach Deutschland verschleppt worden waren und in Hamburg bei der Firma C.H.F. Müller (Röntgenmüller, eine Tochterfirma von Philips, H.K.M.) arbeiten musste. Ich war einer von diesen Menschen. Noch am selben Tag habe ich bei der Bredel-Gesellschaft angerufen und mit dem Vorsitzenden Hans-Kai Möller gesprochen. Während dieses Gespräches bekam ich Auskunft über die Arbeit der Geschichtswerkstatt, insbesondere aber über ihre Pläne hinsichtlich des Lagers am Wilhelm-Raabe-Weg, wo wir während unserer Zwangsarbeitszeit wohnen musste. Die WBG wolle die Baracken restaurieren und erhalten, damit sie auch in der Zukunft an alles das erinnern, was in Hamburg und Deutschland während des Faschismus passiert sei und die Jugend die Möglichkeit habe, sich mit dieser dunklen Epoche der deutschen Geschichte dort auseinander setzen, wo sie tatsächlich stattgefunden habe. Die WBG sei der Meinung, dass dies alles von den Interessierten besser verstanden würde, wenn es von den überlebenden ehemaligen Zwangsarbeitern persönlich vermittelt werden könnte. So plane die WBG einen Besuch der ehemaligen Bewohner des Lagers. Hans-Kai Möller fragte mich, ob ich die Vorbereitung so einer Reise in Holland übernehmen könne. Ich habe "ja" gesagt, denn es war mir klar, dass der Bredel-Gesellschaft für ihre Pläne die Unterstützung durch uns sehr willkommen war. Außerdem wollten wir auch gerne einmal Hamburg wiedersehen. Es war für mich nicht so leicht, in Holland die ehemaligen Zwangsarbeiter ausfindig zu machen und es dauerte eine Weile, bis ich die alten Kollegen gefunden hatte, die auch nicht mehr die jüngsten waren. Es ist mir gelungen vier alte Kollegen zu finden, die mitfahren wollten und konnten. Mit ihnen und ihren Frauen - zusammen waren wir neun Personen - haben wir uns im September 2000 auf die Reise gemacht. Für meine Kollegen war die Zeit in Hamburg wie ein schöner Urlaub, denn sie sind von Mitgliedern der WBG durch Hamburg geführt und unterhalten worden. Meine Frau und ich übernahmen eine andere Aufgabe: Ich hatte mich bereits vorher bereit erklärt mit so viel Menschen wie möglich und der Presse zu sprechen. Die WBG hatte am Sonntagnachmittag eine Veranstaltung im ehemaligen Lager am Wilhelm-Raabe-Weg mit über 100 Teilnehmern organisiert: Hier habe ich unsere Geschichte erzählt und viele Fragen beantwortet. Am Montag war ich wieder im Lager und habe auf einer Pressekonferenz gesprochen. Am Mittwoch besuchte ich das Alstertal-Gymnasium und hatte ein Gespräch mit Jugendlichen, das sehr interessant war, nachmittags folgte dann ein Besuch beim Ortsamtsleiter von Fuhlsbüttel-Langenhorn, Herrn Schwarz. Während dieses Besuches haben wir richtig die Werbetrommel gerührt und Herrn Schwarz davon zu überzeugen versucht, dass die WBG für ihre Pläne dringend Geld brauche und ihn gefragt, ob er sich wenigstens dafür einsetzen wolle, das Geld zu besorgen. Donnerstagabend waren wir zu Gast im Grünen Saal bei einer weiteren Veranstaltung der Bredel- Gesellschaft. Bei der Diavorführung sollte ich den Kommentar sprechen. Es wurden Bilder vom Lagerleben gezeigt, die nur wenige Monate nach unserer Ankunft gemacht worden waren. Wir sahen alle noch ganz frisch und munter aus. Das hat sich später bei manchem geändert. Inwieweit unser Besuch in Hamburg, die Interviews, die Veranstaltungen und Gespräche die Zuhörer beeindruckt haben, ist uns nicht bekannt. Ich habe aber gehört, dass die KZ-Gedenkstätte Neuengamme Geld erhalten hat, um ein Besuchsprogramm für ehemalige Zwangsarbeiter durchzuführen. Außerdem habe ich das Gefühl, dass das, was die WGB von unserem Besuch erwartet hat, auch tatsächlich wahr geworden ist. Wenn sie von Hamburg und seinen Einwohnern unterstützt wird, können wir und die Willi-Bredel-Gesellschaft zufrieden sein.

Theo J. Massuger

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Breng de Groeten over aan SC Sperber van Cor de Bruin

So lautete der Wunsch, den ich noch an den Sport-Club Sperber in Alsterdorf übermitteln konnte, bevor Cor de Bruin am 27.5.2001 in Holland für immer die Augen schloss.

Cor war einer der fünf Holländer, die im September 2000 ihre während der Zwangsarbeit 1944/45 zugewiesene Unterkunft am Wilhelm-Raabe-Weg 23 wieder sahen. Als junger, zwangsverpflichteter Eindhovener fand er bei Sperber eine Möglichkeit, seine fußballerischen Fähigkeiten einzusetzen, um den holländischen Zwangsarbeitern das Leben zu erleichtern.

Über eine Anzeige im Hamburger Abendblatt, durch die ich Kontakt zu Sperber- Senioren suchte, setzte sich der Vorstand des Vereins mit mir in Verbindung. Leider war es Cor de Bruin nicht lange vergönnt, die alten Erinnerungen zu vertiefen.

Ihm zu Ehren erschien ein Nachruf im Sperber-Magazin vom Oktober 2001. Für mich eine schöne Motivation für die gesellschaftliche Anerkennung der Zwangsarbeiter "am Ball zu bleiben".

Holger Schultze

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Cor de Bruin spielte im 2. Weltkrieg beim S.C. Sperber

Cor de Bruin aus Eindhoven, Niederlande, kam zwangsweise nach Deutschland und mußte bei Röntgenmüller in Fuhlsbüttel arbeiten. Untergebracht war er mit anderen Landsleuten in einer Zwangsarbeiterbaracke im Wilhelm-Raabe-Weg 23. Da er schon beim PSV Eindhoven im Sturm spielte, fand er seinen Platz auch in der Elf des S.C. Sperber und spielte gegen namhafte Gegner wie HSV, Altona, FC St Pauli usw.

Die Willi-Bredel-Gesellschaft, eine Geschichtswerkstatt in Hamburg-Fuhlsbüttel, plant eine Ausstellung in den Räumen der Zwangsarbeiterbaracken und ist an Informationen interessiert, die Cor de Bruin und die Jahre 1940-1945 bei Sperber betreffen.

Cor de Bruin, der leider inzwischen verstorben ist, erzählte bei einem Besuch in Hamburg seine Erinnerungen an den S.C. Sperber, wie er von den Mitspielern mit Essen versorgt wurde und dass er durch sie an Filme herankam, sodass in der Ausstellung Fotos der damaligen Zeit aufgehängt werden können.

Ein alter Sperberaner hat in seinen Unterlagen eine Mannschaftsaufstellung im Pokalspiel gegen Hermannia/Komet 5:2 gefunden, in der Cor de Bruin mitwirkte.

Kühlke
Biester Brüggemann
Hage Pfaff Starkgraff
To Aspern de Bruin Bock Aßmann
Dittmann

Gauliga Hamburg / 1. Liga 1942/43
1 Victoria 18 79:25 29
2 HSV 18 73:19 26
3 Altona 93 18 64:48 23
4 FC ST Pauli 18 48:37 23
5 Wilhelmsburg 09 18 51:40 22
6 Eimsbüttel 18 41:39 17
7 Polizei Hbg 18 41:46 15
8 St.G/Sperber 18 27:72 10
9 Vikt. Wbg 18 26:70 8
10 Barmbecker SG 18 36:90 7

Er verstarb am 27.5. dieses Jahres, sodass es ihm nicht vergönnt war, die Erinnerung an die damalige Zeit beim S.C. Sperber aufzufrischen. Geplant ist eine Ausstellung in den Räumen der Zwangsarbeiterbaracken, und wir sind natürlich sehr an weiteren Informationen interessiert, die Cor de Bruin und die Jahre 1940-1945 bei Sperber betreffen.

Wenn Sie etwas dazu beitragen können, würde sich der Verfasser sehr freuen.

Aus der Club-Zeitung Sport-Club Sperber, Oktober 2001

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Fuhlsbüttler Appell

Erfolg auf der ganzen Linie?

Ihr erinnert Euch: Während des Besuches der niederländischen Zwangsarbeiter in Fuhlsbüttel im September 2000 entstand die Idee, den Forderungen der Willi-Bredel- Gesellschaft nach dem Erhalt der Baracken des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers am Wilhelm-Rabe-Weg und dem Ausbau zu einer Gedenkstätte mit einer Dauerausstellung zum Thema Zwangsarbeit durch eine Unterschriftensammlung Nachdruck zu verleihen.

Viele engagierte Mitglieder sammelten Unterschriften in Ihrem Umfeld. Auch öffentlich ausgelegte Listen z.B. in der Bücherhalle oder in Geschäften wie der Bücherstube Fuhlsbüttel kamen ausgefüllt zurück. Insgesamt waren es über 500 Unterschriften von Bürgern quer durch alle Fraktionen. Es kamen viele Unterschriften aus der Gruppe der NS-Verfolgten und von Kindern Hamburger Widerstandskämpfer, ebenfalls unterschrieb der Betriebsrat von Philips Medizin Systeme (ehem. Röntgenmüller) und die ehemaligen Zwangsarbeiter aus Holland, Polen und der Ukraine, welche die Baracken besucht haben. Parteien übergreifende Unterstützung erhielten wir von Abgeordneten und ehemaligen Abgeordneten des Bundestages, der Bürgerschaft und der Bezirksversammlung. Es unterzeichneten von der SPD den Appell Anke Hartnagel, Ralph Bornhöft, Renate Herzog, Gunnar Eisold, von der GAL Hartwig Zillmer und von Regenbogen Heike Sudmann und Julia Koppke.

Die Unterschriftensammlung zeigte schon vor der Übergabe Erfolg, denn unsere Vorsitzenden wurden zu einem vermittelnden Gespräch in die Kulturbehörde eingeladen. Hier wurden unsere Forderungen "wohlwollend zur Kenntnis genommen", aber noch einmal festgestellt, dass eine Historikerstelle für die Willi-Bredel- Gesellschaft nicht genehmigt wird, man jedoch wisse, dass ohne diese das Vorhaben Gedenkstätte und Dauerausstellung nicht zu leisten sei. Eine mögliche Durchführung der Forderungen wäre unter folgender Konstellation denkbar: Die Baracken werden an die KZ-Gedenkstätte Neuengamme übertragen, so dass aus deren Budget Werksverträge mit wissenschaftlichen Mitarbeitern für Forschung und Ausstellungserarbeitung abgeschlossen werden können.

Dieser Vorschlag wurde ausgiebig diskutiert und unter bestimmten Voraussetzungen (Bestandssicherung, Mitspracheregelung u.a.) als gangbare Lösung in Betracht gezogen. Unsere Forderungen wollten wir mit der Übergabe der Unterschriften zum Fuhlsbüttler Appell unterstreichen. So verabredeten wir einen Übergabetermin mit dem zuständigen Referenten für Gedenkstätten und Geschichtswerkstätten der Kulturbehörde, Herrn Wolfgang Stiller. Er war sichtlich überrascht als sich die Vorstandsmitglieder der Willi- Bredel-Gesellschaft, Hans Matthaei, Hans-Kai Möller, Holger Tilicki und Klaus Struck, am 14.9.2001 in seinem Büro einfanden, hatte er doch nicht mit so einem Auftritt gerechnet. Er hörte sich geduldig unseren Forderungskatalog an und nahm im Anschluss die Unterschriftenlisten in aller Form entgegen. Es wurde noch detailliert über die einzelnen Punkte diskutiert, wobei man sich grundlegend einig war, dass die angestrebte Lösung der Sache am dienlichsten sei.

Wir verließen die Kulturbehörde mit einem guten Gefühl, dem Gefühl, dass es sich doch lohnt, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu kämpfen, besonders wenn man eine große und breite Unterstützung hinter sich weiß.

Eine Beschlussvorlage zur Übertragung der Zwangsarbeiterbaracken an die KZ-Gedenkstätte Neuengamme wurde auf der Jahreshauptversammlung am 7.11.2001 einstimmig angenommen.

Klaus Struck

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Rückkehr in eine Zwangsarbeiterbaracke

Polnische- und Ukrainische Zwangsarbeiter zu Besuch in Fuhlsbüttel

Als wir zum ersten Mal von dem Besuchsprogramm für ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter des Hamburger Senats hörten, waren wir ein wenig erstaunt, dass die Willi-Bredel- Gesellschaft trotz der vielen Anfragen und vorangegangenen Veranstaltungen nicht mit in die Planungen einbezogen wurde. Schließlich hatten wir bereits im Jahr 2000 ein derartiges Programm für in Fuhlsbüttel eingesetzte holländische Zwangsarbeiter durchgeführt. Dass hiermit der Freundeskreis KZ-Gedenkstätte Neuengamme e.V. beauftragt wurde, mit entsprechendem Budget und einer extra hierfür geschaffenen Planstelle, irritierte uns zugegebener Weise ein wenig. Wir sind immer noch der Auffassung, dass diese Aufgabe hervorragend in Verbindung mit der Ausgestaltung einer Dauerausstellung in der Baracke hätte durchgeführt werden können. Als dann das Besuchsprogramm für die erste Gruppe polnischer Zwangsarbeiter veröffentlicht wurde, fühlten wir uns bestätigt: Es entsprach im wesentlichen unserem Programm aus dem Vorjahr.

Es darf hier jedoch nicht um Interessen von einzelnen Geschichtswerkstätten oder Gedenkstätten gehen, sondern um die zu setzenden Zeichen für die vor fast 60 Jahren aus Polen, Russland, Weißrussland und der Ukraine von den Nazis verschleppten jungen Leute, die in Hamburg zur Zwangsarbeit verpflichtet wurden und hier viel Leid ertragen mussten.

So freuten wir uns, dass ein Programmpunkt der Besuch der letzten vollständig erhaltenen Zwangsarbeiterbaracke Hamburgs in Fuhlsbüttel war.

Da diese erste Besuchsgruppe im April 2001 auch von der Deutsch-Polnischen Gesellschaft betreut wurde und das Thema Zwangsarbeiter aufgrund des gerade zustande gekommenen Abkommens zur Entschädigungszahlung sehr aktuell war, gab es auch ein großes Medieninteresse am Besuch der Baracken: Es hatten sich 3 Fernsehteams und 3 Zeitungsreporter angemeldet.

Wir waren das erste Mal Gastgeber im Rahmen eines nicht von uns organisierten Programms. Die Baracken sollten nicht nur als Erinnerungs- und Gedenkstätte, sondern auch als Vortragsraum und Begegnungsstätte dienen. Hier darf vorweggenommen werden, dass der Ablauf von allen sehr gut aufgenommen wurde, was besonders auch der Hilfe von Alexandra und Hartwig Zillmer zu verdanken ist, die für ausreichend Geschirr und die richtigen Nahrungsmittel sorgten (wir freuten uns natürlich, als unsere Bewirtung für besser als die im Hamburger Rathaus befunden wurde). Auch die Bereitstellung von Informationsmaterial und unsere Rundbriefe, über die viel diskutiert wurde, erfreute die Gäste.

Als der Bus mit den 23 ehemaligen polnischen Zwangsarbeitern und mehreren Begleitern (Dolmetscher u.a.) eintraf, wurden sie nach einer ausführlichen Begrüßung erst einmal im Außenbereich von Hans Matthaei über die Willi-Bredel-Gesellschaft sowie über die Geschichte der Baracken und die hier eingesetzten Zwangsarbeiter informiert. Es folgte ein Rundgang über das Gelände, zum Splittergraben und durch die einzelnen Segmente der Baracken. Danach ging es zum "gemütlichen Teil" über, es gab an hübsch gedeckten Tischen in der Baracke Tee, Kaffee, Kuchen, Süßigkeiten und Obst.

Unser Mitglied Hartwig Zillmer hielt auch als Vertreter der Deutsch-Polnischen Gesellschaft eine Rede, in der er auf unsere Verantwortung für den Erhalt von Mahnmälern und Gedenkstätten hinwies, sowie aufzeigte, wie in unserer Gesellschaft im Umgang mit Geldern mit zweierlei Maß gemessen wird. Wie schwer es einerseits war, der Wirtschaft ihren Anteil der Entschädigungszahlungen zu entlocken (nur mit Steuergeschenken), wie schnell andererseits aber bei dubiosen Börsengängen wesentlich größere Summen verschoben werden.

Im Anschluss hieran erläuterte Holger Schultze die Rolle des Barackenbetreibers, der Firma Kowahl und Bruns und deren Inhaber.

Schon während der Vorträge kam es immer wieder zu Diskussionen und Beiträgen der Gäste, was im Anschluss fortgesetzt wurde. Neben verschiedenen persönlichen Erlebnissen der Besucher wurde folgendes festgestellt:

Die Baracken sind teilweise zu "gut" saniert, so gab es in "ihren" Baracken keinerlei Wärmedämmung zur Decke.

Das Gelände ist sehr unordentlich, Gedenkstätten werden in Polen besser gepflegt.

Anmerkung zum Titelbild des Rundbriefes 2000: Der quadratische Aufnäher mit der Kennung OST war für Arbeitskräfte aus dem "altsowjetischen Gebiet" vorgeschrieben. Polen mussten ein gelbes Quadrat mit einem großen P darin tragen.

Als wir von unserem Fuhlsbüttler Appell erzählten, gab es keine Sekunde des Zögerns und alle Besucher unterschrieben sofort.

Über den Besuch wurde im Fernsehen im ARD Regionalprogramm, in Hamburg1/ Spiegel TV und im Regionalteil RTL berichtet (Mitschnitte liegen vor).

Eine zweite Gruppe ehemaliger Zwangsarbeiter, diesmal aus der Ukraine, besuchten unsere Baracken am13.10.2001. Das Medieninteresse war nicht mehr ganz so groß, es waren jedoch wieder mehrere Zeitungsreporter anwesend.

Das Besuchsprogramm lief ähnlich ab, jedoch hielt diesmal Holger Schultze auch die Begrüßungsrede, die er mit der Anekdote der hier vor der Baracke wachsenden, sonst in unseren Breiten nicht üblichen, speziellen ukrainischen Apfelsorte schmückte. Den Gang zu den Obstbäumen haben wir aber ausfallen lassen, da sich gerade heute ein Obdachloser dort im Gestrüpp "häuslich" eingerichtet hatte und schlief.

Beim gemütlichen Beisammensein kam es zu sehr bewegenden Momenten mit herzlichen Umarmungen, weil nicht erwartet wurde, dass es Menschen in Deutschland gibt, die sich mit den Verbrechen der Vergangenheit beschäftigen und diese zur Mahnung in Erinnerung halten.

Was alle besonders traurig stimmte, war die Tatsache, dass viele dieser Gruppe nicht einmal zu dem Kreis der Entschädigungsempfänger gehören, da sie ihre Zwangsarbeit nicht belegen können. So stellten wir fest, dass es mindestens drei Gruppen von Zwangsarbeitern gab:

Personen (meist aus westlichen Ländern) wie die Holländer. Sie lebten in nicht bewachten Lagern, konnten sich frei bewegen (mit Auflagen, durften z.B. keine Kinos besuchen), hatten spezielle Ausweispapiere, Arbeitskarten etc. und erhielten einen Lohn für ihre Arbeit.

Personen (meist aus östlichen Ländern), die an unterschiedlichen Orten eingesetzt wurden. Sie wurden sichtbar gekennzeichnet, z.B. mit dem P-Abzeichen und konnten sich nur eingeschränkt im Rahmen des Arbeitseinsatzes frei bewegen, erhielten jedoch auch spezielle Ausweispapiere, Arbeitskarten etc. und einen geringen Lohn für ihre Arbeit.

Personen aus östlichen Ländern, die innerhalb eines umschlossenen Bereichs eingesetzt wurden (z.B. einer Werft oder einer Obstplantage). Sie wurden direkt an den Einsatzort gebracht, schliefen hier in großen Hallen oder Scheunen und haben während des gesamten Einsatzes ein bestimmtes Gebiet nicht verlassen. Diese Zwangsarbeiter erhielten keine Papiere und auch keinen Lohn.

Zur letzten Gruppe gehörten viele der Ukrainischen Besucher. Sie fragten uns, was sie denn machen sollten: Alle wollen einen Nachweis über die Einsatzdauer und den Ort ihrer Zwangsarbeit, aber sie haben keine Belege. Ohne Belege keine Anträge, ohne Anträge kein Geld.

Uns blieb hier auch nur Hilflosigkeit.

Unseren Fuhlsbüttler Appell unterzeichneten sie ebenfalls sofort und betonten mehrfach, dass ohne sichtbare Beweise die Verbrechen der Vergangenheit schnell in Vergessenheit geraten. Es wurden viele Erinnerungsfotos gemacht und sogar Einladungen in die Ukraine ausgesprochen. Die nächste Besuchsgruppe des Hamburger Senats, diesmal ehemalige Zwangsarbeiter aus Weißrussland, wird im Frühjahr 2002 erwartet

Klaus Struck

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Ein Norweger in Fuhlsbüttel

Beinahe hätte diese unendliche Geschichte geendet, bevor sie beginnen konnte. Durch die Rezension eines Buches in der "jungen Welt" vom 17./18.11.2001 wurde ich auf den norwegischen Kommunisten Age Fjeld aufmerksam.

Mit anderen Widerstandskämpfern brachte er 1998 ein Buch über den Kampf der Kommunisten Norwegens 1940-1945 gegen die deutschen Okkupanten heraus. Wie der Zufall es will, tauchte in dem Artikel auch der Ortsname Fuhlsbüttel auf. Also nichts wie hingesetzt und an den Verlag geschrieben. Aber besser gesagt als getan, denn keiner wusste die Adresse in Norwegen und Fax-Versuche endeten im Nichts.

Dann endlich der große Wurf: Nach einer Sitzung unserer Arbeitsgruppe "Zwangsarbeiter" wurde eine eMail an die Wochenzeitung "Friheten" der norwegischen Kommunisten gesendet, die die unerwartete Antwort brachte: Auf zwei Seiten schilderte der nun 80jährige Age Fjeld seine Erlebnisse in Norderstedt und auch in Fuhlsbüttel.

Bescheiden meinte er: "Meine Geschichte dazu ist nicht sehr interessant." Aber wir denken, dass die Mischung aus spannenden Schilderungen über Widerstand und Einzelzelle in Fuhlsbüttel 1941 gepaart mit den humorvollen Ausdrücken wie "einmal der Woche (gab es) ein mikroskopische Stück Harzerkäse" für eine größere Öffentlichkeit bestimmt sind.

Wir wollen Age Fjeld nach Hamburg einladen und freuen wir uns auf ein Kennenlernen dieses Mannes.

Holger Schultze

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Kirche - Christen - Juden

In der Hamburger Hauptkirche St. Petri an der Mönckebergstraße war vom 6.1. bis 4.2.2002 die Ausstellung " Kirche - Christen - Juden in Nordelbien 1933-1945" zu sehen. Diese bereits u.a. in Rendsburg gezeigte Wanderausstellung bringt Beispiele von kirchlichen Tätern, unbequemen Theologen und evangelischen jüdisch-stämmigen Opfern des Nationalsozialismus.

Als so genanntes "Lokales Fenster" für den Kirchenkreis Alt-Hamburg wird die Situation des jüdisch-stämmigen Fuhlsbütteler Pastors Heinrich Zacharias-Langhans ("Pastor Zach"), der von 1927 bis 1965 an der St. Lukas-Kirche wirkte, exemplarisch dargestellt. Neben uns bekannten Dokumenten aus der Sammlung Zacharias- Langhans, wurden auch Briefe von Nazi-Bischof Franz Tügel an die Hamburgische Schulbehörde zum erhöhten Schulgeld für Pastor Zacharias-Langhans' Kinder, die als "Mischlinge" galten, ausgestellt. Dort argumentiert Tügel mit den Verdiensten Zachs Vaters für das Deutsche Kaiserreich und versucht innerhalb des rassistischen Konstrukts der Nazis "gute" von "schlechten" Juden zu unterscheiden.

Diese zweideutige Haltung Tügels, einerseits als Nationalsozialist die offene Diskriminierung passiv unterstützt zu haben und andererseits Pastor Zach und andere jüdisch-stämmige Menschen in der Kirche toleriert zu haben, erklärte der Tügel-Biograph Dr. Manuel Ruoff in einem Vortrag im Herrensaal der Petri-Kirche am 10.1.02 wie folgt: Franz Tügel war kein rassistischer Antisemit, sondern ein geistiger Antisemit. Damit, so meint Ruoff, beziehe sich Tügel auf den Geist der Aufklärung, des Liberalismus und des Marxismus, den er immer wieder öffentlich verdammte und so für die Nazis von Nutzen war.

Erfreulich ist zu vermerken, dass die Willi-Bredel-Gesellschaft innerhalb der Ausstellung in einer Lesemappen zu Pastor Zach mit einem kritischen Artikel aus dem WBG-Rundbrief 1997 vertreten war. Außerdem sind auf der Literaturliste der Website www.kirche-christen-juden.org die Beiträge von Silke Kaiser und Holger Tilicki aus unserem Buch "Fuhlsbüttel unterm Hakenkreuz" zum Thema jüdische Christen und St. Lukas-Kirche aufgelistet.

hot

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Mahnmal in St. Lukas

Im Rahmen der Woche des Gedenkens an die Opfer der nationalsozialistischen Terrorherrschaft, wurde im Bezirk Hamburg- Nord neben verschiedenen Veranstaltungen u.a. im Bezirksamt, im Museum der Arbeit, der Gedenkstätte Kolafu, der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte und der Willi-Bredel-Gesellschaft auch in der St. Lukas-Kirche in Fuhlsbüttel am 27.1.2002 ein Gedenkgottesdienst abgehalten.

Während dieses vom Kirchenchor und einer jungen Solosängerin festlich gestalteten Gottesdienstes, wurde das gemeinsam mit dem Gymnasium Alstertal erarbeitete Mahnmal/Gedenkwand für die zivilen Opfer des Nationalsozialismus in Fuhlsbüttel der Öffentlichkeit vorgestellt. In der Seitenkapelle der Kirche, wo sich dieses von jungen Künstlern der Schule gestaltete Mahnmal befindet, existierte bereits seit langem eine Wand zur Erinnerung an die Kriegstoten der Gemeinde.

Einige der Stationen dieses etwas anderen Kreuzweges wurden per Overheadprojektor an die Kirchenwand projiziert und von verschiedenen Mitgliedern der Mahnmal-Arbeitsgruppe beschrieben. Die Gruppe hatte ältere Gemeindemitglieder befragt, im Hamburger Staatsarchiv, im Archiv der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und in der Willi-Bredel-Gesellschaft geforscht.

Pastor Nolte stellte in seiner Predigt die theologische Frage, warum ein liebender und gerechter Gott die Grausamkeiten der Nazizeit zulassen konnte und gab dann die Frage an seine Gemeinde weiter: "Warum haben wir das zugelassen, warum hat diese Gemeinde so wenig dagegen getan?" Er richtete an dieser Stelle den Blick nach vorne und verwies darauf, dass wir alle dafür sorgen müssten, dass so etwas nie wieder geschieht. Er sagte, wir sollten über uns hinausblicken und jede Ausgrenzung von Menschen meiden, die nur, weil sie anders sind als wir, oft nicht als gleichwertig akzeptiert würden. Symbolisch für diesen Blick nach vorn war, dass während dieses Gottesdienstes zwei Taufen vorgenommen wurden.

Informationen zu Pastor Heinrich Zacharias- Langhans, dem Pastor der Lukasgemeinde zur Zeit des Nationalsozialismus, wurden übrigens während des Gottesdienstes nicht gegeben. Zwar wird versucht, seine Situation auch auf einer der Gedenktafeln darzustellen, aber die Meinungen über ihn scheinen in der Gemeinde so auseinander zu gehen, dass hier etwas ausgespart wurde, was über die eindeutige Betroffenheit hinaus Anregung zur Diskussion des Verhältnisses der Kirche zum Nationalsozialismus geben könnte. Am 28.1.2002 wurde den acht Schülern des Gymnasiums Alstertal, die diese Gedenktafeln schufen, der diesjährige Bertini-Preis für die anschauliche Gestaltung ihrer Forschungsergebnisse verliehen. Auch wir gratulieren dazu herzlich!

Holger Tilicki

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Ehrung von Ehrenamtlichen

Das Jahr 2001 war vom Senat der Feien und Hansestadt Hamburg als Jahr der Ehrenamtlichen proklamiert worden. Renate Herzog (SPD), die Vorsitzende der Bezirksversammlung Nord, hatte im Juli in den Sitzungssaal nach Eppendorf zu einem Festakt eingeladen, um ca. 40 Personen zu würdigen, die sich "uneigennützig für Junge und Alte, für Kranke und Behinderte, gegen das Vergessen oder für ihren Stadtteil" besonders eingesetzt haben. In ihrer Begrüßung betonte Frau Herzog, dass das "ehrenamtliche Engagement Mitwirkung, Bürgernähe, aber auch Einflussnahme auf die Gesellschaft" bedeute. "Ohne Sie und Ihr Engagement wären wir um vieles ärmer, "sagte sie.

Erfreulicherweise gehörten zu dem geladenen Kreis der Ehrengäste auch sieben bekannte WiderstandskämpferInnen und Nazigegner , u.a. unsere Mitglieder Erna Meyer und Helmuth Warncke. Sie erhielten die Auszeichnung für ihren "unermüdlichen Einsatz gegen das Vergessen der Verbrechen der Nazi-Diktatur in Schulen, öffentlichen Einrichtungen und Gedenkstätten."

Als Renate Herzog die Urkunden überreichte, bekamen Erna und Helmuth langanhaltenden, wohlverdienten Applaus.

Gundel Grünert

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Gundel und die 7 Zwerge

Nachdem der Vorstand der Willi-Bredel- Gesellschaft nun schon vor einigen Jahren als Gartenzwerge für die Ewigkeit in Gips geformt wurde, erzeugen Veränderungen nun Ratlosigkeit beim Umgang mit einem Teil dieses kulturellen Erbes. Tatsächlich hat sich nämlich unser Regisseur Hans-Kai Möller, erkennbar an den Insignien seiner Macht, der Flüstertüte und dem Regiestuhl, vom Vorsitz zurückgezogen. Was machen wir jetzt mit seinem Gartenzwerg? Außerdem gibt es einen Neuzugang: Holger Schultze. Ist er schon eines Zwerges würdig? Sogar der seit einiger Zeit im Vorstand wirkende Klaus Struck ist noch nicht als Zwerg gewürdigt worden.

Unverändert bleiben jedoch unter beinharter Umgehung der Frauenquote folgende Persönlichkeiten im Vorstand: Indianer-Joe vom Stamm der Sachsen René Senenko, der Mann mit dem Maus-Klick Michael Schöpzinsky, Bon-vivant und Weinkenner Hans Matthaei, sowie Bischof Sankt Holger Tilicki. Aus diesem illustren Kreis wurde Hans zum 1. Vorsitzenden er- pardon gewählt. Ihm zur Seite wurde als geistiger Beistand Seine Heiligkeit der Bischof gestellt.

Soweit wurde auf der letzten Mitgliedervollversammlung dem Vereinsgesetz Genüge getan. Dennoch wird sich immer wieder die Frage stellen: Wirkt der Regisseur etwa noch im Hintergrund? Rätselhaft bleibt auch der Status von Gundel "Gaukelei" Grünert, die regelmäßig an den Vorstandssitzungen teilnimmt. Ist sie ein Relikt des Matriarchats und etwa unser aller große Mutter? Aber nein: Sie ist doch letztes Jahr Oma geworden! Und noch eine Frau wirkt für die Bredels: Die gute Fee Ulla Suhling bringt regelmäßig Ordnung und Struktur in das kreative Chaos von Willis Werken und der Zwerge Wirken.

Das war's aus dem Vereinsleben.

Der Vorstand

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